Kuala Lumpur, George Town und ein Unfall in Sri Lanka.

Mein Freund. Der Paneristi.
Kurzen halt in Malaysia eingelegt. In Kuala Lumpur. Bei José. Einem alten Weggefährten aus der Werbezeit. Kreativgeist. Ein Mann mit Stil. Geschmack. Und einer Passion für Uhren. Für Panerai. Und Rolex. Hatte seine Koffer gepackt. Vor einiger Zeit. Sich auf und davon gemacht. Nach Asien. In Kuala Lumpur niedergelassen. Der Liebe verfallen. Zu seiner Freundin. Ana. Bezaubernde Dame. Und seinen zwei Vierbeinern. Hugo und Levante.

Am Flughafen in Kuala Lumpur angekommen. Erst meine digitale Existenz gesichert. Mit einer einheimischen SIM-Karte. Danach den Zug ins Stadtzentrum genommen. Da wollte José mich abholen. Tat er auch.
Ich wartete draussen. Im Backpacker-Kostüm. Wie üblich. Gegenüber das Hilton. Und ein Starbucks. Ein bekanntes Bild. An so vielen Orten der Welt zu sehen. Schwarze Mercedes Limousine kam angefahren. Direkt vor meine Füsse. Das hintere Fenster öffnete sich. Darin. José. Mit einem spitzbübischen Lächeln. Ein Filmreifer Auftritt. Er stieg aus. Wir umarmten uns. In der Zwischenzeit packte sein Fahrer mein Gepäck in den Wagen. Wir sausten davon. In die nächste Bar. Gönnten uns ein paar Drinks. Seine Freundin kam hinzu. Feuchtfröhlicher Abend. Im gesunden Rahmen. Ein unvergesslicher Empfang.

In Jose‘s Haus. Erwarteten mich Hugo. Und Levante. Seine zwei Vierbeiner. Weimaraner. Deutsche Hunderasse. Stur. Intelligent. Energisch. Zurückhaltend. Konzentriert. Kraftvoll. Zuverlässig. Schnell. Gemäss Wikipedia. Alles zutreffend. Zehn bis zwölf Menschenjahre. Die durchschnittliche Lebenszeit.
Kaum im Haus wurde ich von ihnen belagert. Beschnüffelt. Und letztendlich als Gast akzeptiert. Hugo so gross wie ein kleiner Elefant. Im Porzellanladen. Wirkte leicht tollpatschig. Erinnerte an Goofy. Sehr verspielt. Ein echter Freund zum rumhängen. Levante. Der ältere von beiden. Hugo‘s Vater. Eher zurückhaltender. Hatte mich leicht verletzt. Als José‘s Freundin ihm eine Zecke. Oder was ähnliches. Entfernen wollte. Sie bat mich um Hilfe. Levante unter dem Esstisch. Ich sollte das Kameralicht auf den Hund richten. Ausleuchten wo die Zecke war. Tat ich. Mein Gesicht dabei nahe an Levantes Kopf. Ana versuchte mit blossen Händen die Zecke rausreissen. Levante bellte laut drauf los. In meine Richtung. Erwischte mich dabei am Kopf. Zwei leichte Narben an Stirn und Kopf.
Sah nicht wild aus. War es auch nicht. Der Arztbesuch bestätigte dies. Zum Glück. Wieder was gelernt. Oder erinnert worden. Bestimmte Situationen besser zu lesen. Und nicht blind sich reinzustürzen. José‘s Katzen unauffällig. Wie Ninjas. In schwarz und weiss. Lebten friedlich mit den Hunden zusammen. 

Mit Weimaraner Hund auf Coach abhängen.
Hugo. Ein Freund zum rumhängen.

Einen neuen Lebensstil kennengelernt. Oder wieder entdeckt. Musste weder Kochen. Putzen. Noch sonst irgendetwas machen. Was hätte anstrengend sein können. Das kannte ich. Nicht allzu lange her. Aus meiner Kindheit. Jugend. Und als junger Erwachsener. Als Einzelkind wie ein Prinz behandelt worden. Von meinen Eltern. Eine nicht unübliche Handhabung in der bosnischen Kultur. Den Sprung in die Unabhängigkeit trotzdem geschafft. Für Schweizer Verhältnisse viel zu spät. Besser zu spät als nie.
Bei José verwöhnten mich nicht meine Eltern. Dafür seine Angestellten. Sehr nette Damen. Wollte ich etwas essen. So bat ich die Damen ein Gericht zuzubereiten. Kurze Zeit später das Essen angerichtet gewesen. So liess es sich Leben. Keine Frage. Zwei Wochen länger. Und ich wäre wieder ein Prinz geworden.

Von Kuala Lumpur nicht sehr viel gesehen. Ausser einen kleinen Dschungel. Am frühen Morgen. Während Spaziergang mit den Hunden. Das Tempo für mich zu hoch gewesen. Trotzdem mitgehalten. Alle weitere Spaziergänge bewusst verschlafen. Ausflug zu den Batu Caves gemacht. Kalksteinhöhlen mit vielen Affen. Und Fleudermäusen. Einige Hindu-Tempel in der Umgebung. Einer davon in der Höhle. Mit ein paar Souvenirläden. Wirkte alles deplatziert. Keine weiteren Sehenswürdigkeiten besichtigt. Da schon in Kuala Lumpur gewesen. Vor sechs Jahren. Die Petronas Towers gesehen. Stadt hatte mich nicht in ihren Bann gezogen. Schon damals nicht.

Batu Caves
Eingang zu den Batu Caves.

Ein Höhepunkt. Die besten Polpette gegessen. Bei einem Italiener. Darum zwei Mal dahin gepilgert. Wollte in Kuala Lumpur nichts machen. Doch José überzeugte mich in Bewegung zu kommen. Hatte mir von George Town vorgeschwärmt. Einer Stadt auf der Insel Penang. Nach drei Tagen Kuala Lumpur sass ich im Flieger.

In George Town.
Auf der Insel Penang gelegen. In Penang vor sechs Jahren gewesen. Mit einem Kollegen. Zu diesen Zeiten beide im Partymodus. Eine Hotelangestellte in Kuala Lumpur hatte uns Batu Feringi empfohlen. Ein schöner Strand auf Penang. Was auch so war. Nur keine Feststimmung. Dafür Familien und Pärchen. Drei Nächte im falschen Film gewesen. Das jedoch. Eine andere Geschichte.

Gorge Town voller Street Art. Regierung mal einen Wettbewerb durchgeführt. Um Stadt attraktiver zu machen. Ist gelungen. Sonst viele Heritage Gebäude. Und Kulturen anzutreffen. Die chinesische dabei omnipräsent. Spiegelte sich auch auf der Speisekarte wieder. Viel herumspaziert und gegessen.
Eine Führung gemacht. In der Pinang Pernankan Mansion. Ehemalige Wohnsitz und Arbeitsplatz des chinesischen Kapitäns Chung Keng Kwee. Ein Zinnminenbesitzer. Und Anführer des Geheimbundes Hai San. Hatte drei Ehefrauen. Vor Ort. Und eine Ehefrau in China. Funktionierte dank Hierarchiestufen innerhalb der Gattinnen. Die zweite Ehefrau hatte die Hosen an. Die erste nichts zu melden. Da in China. Und somit zu weit weg vom Geschehen. Die restlichen Damen unter den Fittichen der zweiten Ehefrau. Ein funktionierendes Ehemodell gewesen. Und heute noch in einigen Kulturen zu finden. Vielleicht auch etwas für mich gewesen. Zur damalig Zeit.

Street Art in Penang.
Street Art in Penang.

Nach drei Tagen mit Propellerflugzeug zurück nach Kuala Lumpur. Den letzten Abend beim Italiener ausklingen lassen. Wieder Polpette. Und Tiramisu. Himmlisch gewesen.

Herzlichen Dank José. Für den filmreifen Empfang. Das Wiedersehen. Deine Gastfreundschaft. Und deine Passion Panerai zu erleben. Mit deinen Zweibeinern sich anzufreunden. Geschichten über einen gemeinsamen Freund auszutauschen. Der nicht mehr unter uns weilt. Leider. Und mir viel bedeutet hat.
Ich freue mich auf das nächste Wiedersehen. Amigo. 

Selfie mit tollen Gastgebern.
Tolle Gastgeber. Ana und José.

Sommer. Sonne. Und Krankenhausbesuche in Sri Lanka.
Auch Träne Indiens genannt. Bekannt für die Produktion und Export. Von Tee. Kautschuk. Kokosnüssen. Und Kaffee. Von den Portugiesen. Holländern. Und als letztes von Engländern kolonialisiert. Seit 1948 unabhängig. Mit 20 Millionen Einwohnern.

Die ersten Tage in Colombo. Hauptstadt. Über 750‘000 Einwohner. Aufgrund der Lage attraktiver Handelshafen für den Gewürzhandel.
Hatte es mir schöner vorgestellt. Viele Tuktuks. Viel Lärm. Nur vereinzelte Gassen. Und Ecken mit Heritage Charme. Wie das Dutch Hospital.
Meine Unterkunft. Ein Dorm. Ungemütlich. Unschön. Und günstig. Im Stile eines Backpackers gehaust.

Sightseeing-Tour gemacht. Mit Tuktuk. Sympathischer Fahrer. Brüstete sich mit seiner Ehrlichkeit. Hatte mal einer norwegischen Touristin ihre Tasche zurückgebracht. Samt Bargeld und Laptop. Die sie im Tuktuk hatte liegen lassen. Wurde dafür auf Facebook als Nationalheld gefeiert. Mir aber die Tour dreissig Prozent teurer verkauft. Die Rundfahrt mit meinem ehrlichen Freund unspektakulär. Einen Tempel besucht. Hatte etwas von einem Brockenhaus. In einer Nebenstrasse einen jungen Elefanten entdeckt. Am Vorder- und Hinterfuss angekettet. Konnte sich nicht bewegen. War Eigentum des Tempels. Und diente nur zur zeremoniellen Zwecken. Erkundigte mich nach dem Kaufpreis des Elefanten. Um ihn zu befreien. Zehntausend US Dollar. Leider etwas zu viel für meine Reisekasse.

Selfie mit Tourguide in Colombo.
Mein ehrlicher und teurer Tourguide.

Junger Elefant, welcher nur zur zeremoniellen Zwecken gehalten wird.
Junger Elefant, welcher nur zur zeremoniellen Zwecken gehalten wird. Im Hinterhof.

Spontan entschieden wieder auf Wellenjagd zu gehen. Ein Freund eines Freundes führte zwei Surfcamps. Im Süden Sri Lankas. An der Westküste. Drivethru genannt. Für eine Woche mich eingenistet. Im Dorm. Sehr gemütlich. Teilte es mit zwei Damen. Das ganze Haus sehr schön eingerichtet. Mit Pool. Hängematten. Und Pingpong-Tisch. Das Essen köstlich. Drei Mal täglich verwöhnt worden.

Drei Mal täglich stand das Tuktuk zur Verfügung. Für den Transport zum Spot. Einmal mit dem Surfcoach. Die anderen Male freies Surfen. Überdosis Wellenreiten damit vorprogrammiert gewesen.

Mit dem Surfinstruktor gesprochen. Wollte meine Surfhistorie in Erfahrung bringen. Um mein Surflevel einzuschätzen. Erzählte ihm von den profireifen Manövern in Bali. Das Beinahe-Ertrinken in Taiwan nicht. Nicht bereit gewesen gleich die ganze Surfhose runter zu lassen.
Mich am nächsten Tag bei den Anfängern wieder gefunden. Surfcoach hatte etwas falsch verstanden. War kein Anfänger. Zumindest aus meiner Perspektive. Die vermeintliche Fehleinschätzung jedoch akzeptiert. Da wir am gleichen Spot surften wie die Fortgeschrittenen. Erst genervt gewesen. Da Trockenübungen am Strand dazugehörten. Nicht in Stimmung gewessen. Trotzdem mitgemacht. Dann im Wasser allen davon gepaddelt. Auch den Wellen.
Der Wellengang deutlich schwächer als in Bali. Kein Vergleich. Irgendwann die erste Welle erwischt. Und mit dieser auch gleich die Freude wiedergekommen. Am Ende des Tages doch etwas gelernt. Wie man eine Turtle-Roll richtig macht. Technik um mit dem Brett durch die Wellen zu kommen. Beim Rauspaddeln. Vielleicht doch nicht so falsch eingeschätzt worden zu sein.

Eines späten nachmittags zu einen Surfspot gefahren. Ohne Surfcoach. Mit ein paar anderen aus dem Camp. Das Meer voller Surfer.
Paddelte raus. Sich gegen andere Surfer durchzusetzen kein Zuckerspiel. Will gelernt sein. Erwischte ein paar Wellen. Eine davon unvergesslich. Wellenset bahnte sich an. Eine Welle kommt selten allein. Liess darum die ersten zwei Wellen unter mir vorbeiziehen. Auf die sich alle gestürzt hatten. Die dritte Welle frei. Keiner der sie anpaddelte. Ausser mir. Paddelte los. Zog leicht nach links. Sprang hoch. Die Beine landeten perfekt auf dem Brett. Stilnote Zehn. Ich ritt sie. Die welle meines Lebens. Grösser als erwartet. Und schön lang. Auf dem Meer spiegelten sich zeitgleich Sonnenuntergangsstrahlen. Pinke und orange Schimmer. Ein Moment für die Ewigkeit. Diese eine Welle war es Wert gewesen. Nach Sri Lanka zu reisen.

Am fünften Tag wieder raus. Frühmorgens auf Wellenjagd. Mit dem Surfcoach. Ich gut drauf. Mental und physisch bereit gewesen für Poseidons Reich. Der Spot nicht mit Surfern überfüllt. Kleine aber feine Wellen. Hätte ein schöner Morgen sein können. War es nicht.
Mit den Gedanken zwar bei der Sache gewesen. Jedoch ungeduldig. Kriegte nichts hin. Gar nichts. Schlechtes Timing. Keine Balance. Wellen angepaddelt. Wo keine waren. Dann war es soweit. Bei einem Stehversuch wieder vom Brett geflogen. Zu viel Rückenlage. Das Brett unter meinen Füssen nach vorne gesaust. Und gleich wieder zurück. Erwischte mich an der Wade. Ein harter Schlag. Nach dem Auftauchen das Bein aus dem Wasser gehoben. Wie ein Synchronschwimmer. Begutachtete den Schaden. Ein Loch. In meiner Wade. Direkt unterhalb der Kniekehle. Fühlte sich nicht gut an. Und sah unschön aus. Gleich meinem Surfcoach ein Handzeichen gegeben. Mit der nächsten Welle mich raustragen lassen.
Am Strand. Surfcoach hinter mir her. Schleppte mein Brett zum Tuktuk. Humpelte hinten her. Die Wunde am bluten. Surfcoach desinfizierte meine Wunde. Ein kleiner Verband drauf. Und ab ins Krankenhaus. Vorher noch schnell ins Surfcamp. Um das nötige Kleingeld dabei zu haben.
Fühlte sich surreal an. Die ganze Situation. Ein paar heikle Surferlebnisse gehabt. Nun ohne Fremdeinwirkung verletzt worden. Gut. Poseidon nicht ganz unschuldig gewesen dabei. War ihm nicht böse.

Im Krankenhaus. Lief alles schnell. Angekommen. Kleinen Konsultationsbetrag gezahlt. Mit Quittung Einlass ins Behandlungszimmer erhalten. Um mich herum zehn Personen. Der Arzt. Die Schwester. Und acht andere Angestellte. Genossen alle die Unterhaltung. Und wackelten mit dem Kopf. Von links nach rechts. Verwirrte mich sehr. Ein faszinierendes Merkmal ihrer Kommunikation.
Die Wunde nicht so tief. Meinte der Arzt. Musste trotzdem genäht werden. Desinfiziert worden. Lokale Anästhesie bekommen. Und genäht worden. Mit Fünf Stichen. Alles im sterilen Rahmen. Müsse jeden zweiten Tag wiederkommen. Um Wunde zu desinfizieren. Und Verband zu wechseln. Eine Woche Antibiotika nehmen. Und jeglichen Wasserkontakt meiden. Auch beim Duschen. Für die nächsten drei Wochen. Nach einer Woche würden die Fäden gezogen werden können. Liess mich Herr Doktor wissen. Eine bittere Pille.

Im Krankenhaus nach Surfunfall
Hätte schlimmer sein können.

Die restlichen Tage im Surfcamp rumgehumpelt. Normales Laufen nicht möglich gewesen. Das Mitleid aller Frauen im Camp jedoch Balsam für meine verwundete Surferseele gewesen. Ein schöner Ort. Um sich bemitleiden zu lassen. Die Zeit mit Lesen. Und Gitarrespielen verbracht. War mehr Rumklimpern als Spielen. Vor drei Jahren einen halbjährigen Gitarrenkurs besucht. Einzelunterricht. Jeden Freitagmorgen um 06.30 Uhr. Bescherte mir Glücksgefühle. Auch wenn mein musikalisches Talent nicht erkannt wurde. Nach einem halben Jahr.
Wenigstens gut genug für ein Geburtstagsständchen gewesen. An meine Freundin. Sie war entzückt. Zumindest redete Ich mir das ein.

Schöne Surfvilla.
Die Surfcamp-Villa. Liess sich aushalten.

Nach Hikkaduwa verschoben. Paar Stunden weiter nördlich vom Surfcamp. Mir von einer Russin empfohlen worden. Wollte mich auskurieren. Am Strand liegen. Lesen. Essen. Schlafen. Alles gemacht. Der ganze Ort jedoch ohne Charme. Und ein russisches Exil. Kein Problem für mich. Kannte mich mit der russischen Kultur. Und Sprache aus. Trumpfte bei kurzen Gesprächen mit meinem akzentfreien Russisch auf. Sie hatten Freude. Die Russen. Ich auch.

Schmiedete Pläne für die restliche Zeit in Sri Lanka. Teeplantagen im Landesinneren ein Höhepunkt. Mit dem Zug von Ella nach Nuwara Eliya. Durch wunderschöne Landschaft. Voller Teeplantagen. Meine Vorfreude gross.
Für eine Nacht nach Galle gezogen. Schöner Ort. Mit einer Festung im Kolonialstil. Fort Galle. Und richtige Spitäler. Letzteres der Hauptgrund für meinen Aufenthalt gewesen.
Hostelbesitzer begleitete mich zum Arzt. Sie entfernten die Fäden. Die wunde ging auf. Ich überrascht. Erkundigte mich was los sei. Als Laien selbst mir klar gewesen. Wunde hätte zu sein müssen. War sie nicht.
Eine Infektion. Stellte der Arzt fest. Zwei Möglichkeiten. Wunde offen lassen. Oder ein bisschen zunähen. Nicht ganz schliessen. Ich solle die Wahl treffen. Meinte der Mann im weissen Kittel.
Meine Gemütslage am Tiefpunkt angkommen. Setzte mich hin. Sah ihm in die Augen. Fixierte ihn mit einem Tigerblick. Einen momentlang Stille. Atmete durch und brach das Schweigen. Er sei derjenige mit einem medizinischen Studium. Und darum die Entscheidung. Und Verantwortung bei ihm. So meine Ansage. Im gepfefferten Ton.
Kurz vor einem Nervenzusammenbruch gewesen. Der sich in einem Ausraster manifestiert hätte. Zum Glück nicht geschehen.
Hätte die Entscheidung gerne selber getroffen. Meine Qualifikation als Arzt. Nach Sichtung aller Greys Anatomy Folgen. Nicht ausreichend gewesen.
Wunde zugenäht worden. Mit zwei Stichen. Nicht ganz geschlossen. Es folgte der bekannte Heilungsprozess. Antibiotika. Für weitere Woche. Und Wunddesinfektion mit Verbandwechsel. Jeden zweiten Tag.
Ungutes Gefühl gehabt bei der ganzen Sache. Darum mit Dragan telefoniert. Ehemaliger Nachbar. Und Arzt. Schilderte ihm die Situation. Sendete Fotos meiner Wunde. Er beruhigte mich. Alles würde gut kommen. Er sollte recht behalten.

Aufenthalt ein paar Tage in Galle verlängert. Ein Krankenhausbesuch anschliessend kurios gelaufen. Nicht das gleiche Spital gewesen. Wie zuvor.
Der Arzt und Schwester professionell. Wollten jedoch das doppelte berechnen. Im Vergleich zu den anderen Arztbesuchen. Für die gleiche Leistung. Verhandelte mit ihnen. Wie auf einem Basar. Um nur die Hälfte zu bezahlen. Klappte. Aber nicht mein bevorzugter Ort gewesen. Für Preisverhandlungen.

Nach Unawatuna weiterzogen. Auf Empfehlung. Kleiner Strandort. In der Nähe von Galle. Mit Charme. Und ebenfalls vielen Russen. Eine französische Bäckerei. Gegenüber von meinem Hostel. Da fantastische Schokoladen-Croissants gegessen. Drei Tage hintereinander. Erholung pur.

Sonnenuntergang in Unawatuna.
Momente wie diese beschleunigten meine Genesung.

Zum Abschluss eine Nacht in Colombo verbracht. Nochmals ins Spital. Gute Nachrichten. Nach drei Tagen könne ich die Fäden ziehen lassen. Versicherte mir die Ärztin. Soweit so gut. Würde jedoch nicht mehr in Sri Lanka geschehen. Erst im nächsten Land. Indien. 
Letztendlich. Glück im Unglück gehabt. Beim Unfall. Und die Spitalkosten. Unter CHf 150.00 für alle Behandlungen. Und Medikamente zusammen. Hielten sich im Rahmen.

Mein Eindruck.
Tolles Land. Nette Menschen. Gute Mischung zwischen Strandleben. Und Kultur im Landesinneren. Schöne Wellen. Drivethru ein gutes Surfcamp. Krankenhausbesuche abenteuerlich. Wie auf einem Basar. Und günstig. Das Essen köstlich. Und würzig. Wie der Tee. Viele Russen anzutreffen.
Leider nicht in den vollen Genuss von Sri Lanka gekommen. Darum ein Wiederkommen unausweichlich.

Als nächste. Und vorerst letzte Episode.
Ausserhalb meiner Komfortzone. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Indien.

Du kannst es nicht für dich behalten. Weiter erzählen.

Surfen, Disko-Yoga und eine Bromance in Indonesien.

Der Welle hinterher gereist. 
In Taiwan wieder auf den Geschmack gekommen. Musste darum weitermachen. Mit Wellenreiten. Nicht mit Ertrinken. Von Freunden und Bekannten mir Bali empfohlen worden. Konstant gute Surfbedingungen. Für alle Levels. Und obendrein noch eine hübsche Insel. Mit weiteren Aktivitäten. Falls es nicht nur beim Surfen bleiben sollte.

Zu Bali. Auch Götterinsel genannt. Die einzige Insel Indonesiens mit hinduistischer Bevölkerungsmehrheit. Sonst der Islam am weitesten verbreitet. Über 4,2 Millionen Einwohner. Früher auch Tiger anzutreffen.  Bali-Tiger. Seit 1940 ausgestorben. Leider. Heute tigern stattdessen andere Spezies herum. Surfer. Und Yogis.

Am Flughafen angekommen. Andere Kommunikationskultur. Nicht so zurückhaltend wie in Japan. Oder Taiwan. Die Menschen deutlich proaktiver. Besonders die Taxifahrer. Hatte meinen Transport organisiert. Schon vorzeitig. Darum von ersten Preisverhandlungen für verschont geblieben. Die Fahrt ins Surfcamp abenteuerlich. Chaos auf den Strassen. Verkehrsregeln existieren. In der Theorie. Vielleicht. In der Praxis herrschte Anarchie. Rollerfahrer dominierten die Strassen. Mit Überholungsmanövern. So riskant wie ein Sprung ins Piranha-Becken.

Surfen und zickige Surfer.
Im Surfcamp. Kimasurf genannt. Schöne Anlage. In Strandnähe. Ein deutschsprachiges Exil. Geprägt von Jungen und Junggebliebenen. Ich gehörte der ersten Gruppe an. Hatte mich im Massenschlag einquartieren lassen. Versuchte den ersten Tag mich als nicht-deutsprachiger Reisender auszugeben. Um meine Englischkenntnisse zu verbessern. Hatte eine lupenreine Geschichte aufgetischt. In Bosnien geboren und aufgewachsen. In Österreich und der Schweiz studiert. Und gearbeitet. Soweit alles glaubhaft. Nur mein Akzent spielte nicht mit. Das schweizerisch angehauchte Englisch verursachte bei allen ein Stirnrunzeln. Verunsichert durch die Reaktionen mein Vorhaben schnell aufgegeben. Mich als Schweizer. Mit bosnischen. Und slowenischen Wurzeln geoutet. Dann auch schnell Anschluss gefunden. In einer Schweizer Surf(Talent-)gruppe. Das Essen im Camp erstklassig. Jeder Wunsch wurde erfüllt. Solange das Kleingeld vorhanden war. Da nur Frühstück inbegriffen.

Im Surfcamp. Hier die meiste Zeit verbracht
Im Surfcamp. Hier die meiste Zeit verbracht

Das Camp in Canggu gelegen. Entspannter Surferort. Die ganze Szene mit einer kräftigen Hipsternote gewürzt. Viele streunende Hunde. Und Surfer anzutreffen. Generell eine guter Balance zwischen Surfen. Entspannen. Gesund essen. Und Feiern. Alle vier Sachen gemacht. In abwechselnder Reihenfolge. Auffallend viel Organic Food Restaurants in Canggu.

Im Line Up. Eine Art Surfhaltestelle. Da warten Surfer auf die Welle. Die grüne Welle. Auch als ungebrochene Welle bekannt. Mit Hilfe der Surfguides ein paar grüne Wellen erwischt. Tolles Gefühl. Auch wenn nur geradeaus gesurft. Und wenige Male unbewusst nach links oder rechts gezogen. Der Welle entlang. Was eher nach Surfen aussah. In der Morgenstunde schon der erste Unfall. Mit einem anderen Surfer zusammengestossen. Hatte sein Brett demoliert. Ein bisschen. Und mich mit einem Minibetrag an der Reparatur beteiligt. Am Nachmittag wieder den Wellen hinterher gejagt. Ohne Unterstützung der Surfguides. Darum viel gepaddelt. Vergebens. Und stilvoll vom Brett geflogen. Beim Versuch eine Welle zu stehen. Am gleichen Spot mal morgens wie Kelly Slater durch die Wellen gerauscht. Und nachmittags mich vor mir selber fremd geschämt. Kriegte einfach nichts hin. So verging die Woche wie im Flug.

Die Spezies Surfer. Auf Land sehr entspannt. Die visuelle Erscheinung strotzte von Lässigkeit. Von Frisur. Bis zur Badehose. Alles cool. Hangloose. Im Wasser weniger. Viele zickig. Nicht die Einheimischen Surfer. Nur die Surf-Touristen. Darum etwas schwierig gewesen Freundschaften im Wasser zu schliessen. Hatte die Vortrittsregeln beim Surfen missachtet. Ein paar Mal. Versehentlich. Manchmal auch unwissentlich. Verständnis dafür gab es nicht. Darum meine Kritikfähigkeit auf die Probe gestellt worden. Von Frauen. Männern. Und sogar einem Dreikäsehoch. Eine kurze Entschuldigung später. Meinerseits. Die Welt wieder in Ordnung gewesen. Meistens. Zumindest für mich.

Nach einer Woche Surfcamp. Ein paar Tage Erholung. In Canggu. Mit Burger. Bier. Und Massagen. Dazwischen ein paar Kokosnüsse eingestreut. Und das lokale Bier. Bintang. Eine Pfütze. Nicht verwunderlich. Da von Heineken.

Schon viele Sachen ausprobiert.  Doch Surfen das einzige. Was das echte Leben so gut spiegelt. In vielerlei Hinsicht. Konstant sich verändernde Bedingungen. Frust und Freude nahe beieinander. Viel Konkurrenz. Die vornerum lächelt. Aber hintenrum kein Erbarmen kennt. Wenn es darum geht. Die Welle des Erfolges zu erwischen. Viele paddeln los. Und nur einer setzt sich durch. Und reitet sie bis zum glücklichen Ende. Und wie im Surfen. Nicht nur eine Welle. Sie kommen. Wieder und wieder. Die Chancen. Geduld und Zielstrebigkeit dabei die besten Tugenden. Das Schöne daran. Man wird belohnt. Früher oder später. So erging es mir.

In Lombok auf den Vulkan gekommen.
Die Insel gewechselt. Mich nach Lombok verschoben. Mit dem Schnellboot. Um meinen neuen Surfkumpanen zu treffen. Flavio. Hatten beschlossen einen Vulkan zu besteigen. Den Mount Rinjani. Zweitgrösster Indonesiens. Während der Mount Agung auf Bali brodelte. Glücklicherweise nicht ausbrach.
Dreitägige Wanderung. Nichts für Anfänger und schwache Beine. Hiess es in der Beschreibung. Beim Eintreffen im Camp auf vier weitere Reisende getroffen. Junge. Coole. Und sportliche Leute. Wie wir. In der gleichen Gruppe mit uns. Was sich als Glücksfall erweisen sollte. Nicht nur für das Lauftempo. Den ersten Abend in einer Mini-Villa übernachtet. Eher für Hobbits konstruiert worden. Darin Platz für eine 140cm breite Matratze. Diese mit Flavio geteilt. Der Anfang einer Bromance.

Erster Wandertag. Etwas herausfordernd. Leicht steil hinauf. Aber tatsächlich weniger geeignet für Anfänger. Oder unsportliche Menschen. Hatten ein gutes Tempo als Gruppe. Und wurden trotzdem mühelos von den Trägern überholt. Die mit Flip-Flops unterwegs waren. Und auf einem Bambusast mit zwei Körben Zelte und Nahrung hochschleppten. In der Nähe des Kraters. Mit wunderschönen Aussicht.

Am zweiten Tag. Um zwei Uhr aufgestanden. Morgens. Das letzte Mal als ich so früh aufgestanden bin. War  meine Geburt gewesen. Mit leichter Verspätung. Und auch da war ich nicht sonderlich gut gelaunt. Da einfach zu früh gewesen. Gestärkt mit einem kleinen Banana Pancake. Losgelaufen. Der Himmel klar. Tausende von Sternen leuchteten. Die Milchstrasse unverkennbar. Mitten in einer Lichterschlange uns langsam fortbewegt. Jeder mit einer Stirnlampe ausgestattet. Einige mit Wanderstöcken. Auch ich. Der Entscheid einen zu leihen. Goldwert gewesen. Der Weg anstrengend. Mühsam. Und etwas steil. Doch die grösste Schwierigkeit. Der Boden. Weich wie Sand. Jeder Schritt vorwärts. Beförderte mich zwei Schritte rückwärts. Damit nicht genug. Eine Windbrise gesellte sich dazu. Mich zwischendurch verflucht für die ganze Aktion. Nur wegen eines Sonnenaufganges. Wir überholten mehrere Gruppen. Machten wenig Pause. Der Weg schien trotzdem endlos. Die Spitze kam näher. Und doch nicht. Schwer einzuschätzen wie lange die Odyssee dauern würde. Da stockdunkel. Letztendlich den Aufstieg geschafft. Zwanzig Minuten vor Sonnenaufgang. Zwanzig Minuten den Allerwertesten abgefroren. Gut. Nicht der einzige gewesen. Der Sonnenaufgang magisch. Eröffnete eine phänomenale Aussicht. Die ganzen Strapazen hatten sich gelohnt.
Am gleichen Tag noch weiter gewandert. Erst steil runter. Über Stock und Stein. Unbequemer Abstieg. Ging richtig in die Knie. Das sollte ich nächsten Tag spüren. Ein Zwischenhalt gemacht. Um in heisser Quelle die Muskeln zu regenerieren. Danach weitere Stunden gewandert. Wieder hoch. Steiler Anstieg. Aufregend. Der Körper jedoch auf Entspannung eingestellt. Nach Bad in heisser Quelle. Auch diese Tortour irgendwie überlebt. Über neun Stunden gewandert an diesem Tag.

Am dritten Tag nur noch abwärts gewandert. Der Wanderstock rette mir das linke Knie. Sonst Abstieg nur im Handstand möglich gewesen. Und so stabil war meine Balance noch nicht auf den Händen. Das letzte Stück durch den Dschungel. Da auf eine alte Bekannte getroffen. Bea. Per Zufall. War in der Schweizer Surf(Talent-)gruppe gewesen. Sie war am Anfang ihres Wandertrips. Froh gewesen. Nicht an ihrer Stelle zu sein. Angekommen. Begrüsste uns der Touranbieter. Mit einem Bier. Unerwarteter Empfang. Und fantastischer Abschluss.
Ganzer Wandertrip ein tolles Erlebnis. Viele Affen auf dem Berg zu sehen. In Zelten übernachtet. Zu zweit. Die Bromance mit Flavio weiter gefestigt. Einzig fader Beigeschmack des Abenteuers. Der Abfall. Lag überall rum. An allen Stopps. Die wir einlegten. Und keiner der Guides wollte preisgeben. Wie mit der Abfallentsorgung umgegangen wird. Anscheinend soll es alle paar Wochen Säuberungen geben. Ich hoffe es.

Bromance in der Hobbit-Villa.
Bromance in der Hobbit-Villa.
Das Ziel. Der Mount Rinjani.
Das Ziel. Der Mount Rinjani.
Zelten in Kraternähe.
Zelten in Kraternähe. 
Auf der Vulkanspitze. 3’726 Meter. Aussicht auf den Krater und die Gili Inseln.
Auf der Vulkanspitze. 3’726 Meter. Aussicht auf den Krater und die Gili Inseln.
Die wahren Helden der Tour. Die Träger.
Die wahren Helden der Tour. Die Träger.
Unschöner Nebeneffekt. Viel Abfall. Um den sich Affen kümmern.
Unschöner Nebeneffekt. Viel Abfall. Um den sich Affen kümmern.

So gut wie nichts tun auf Gili Air.
Die Gili‘s. Drei kleine Inseln. Zwischen Bali und Lombok gelegen. Gili Trawangan. Die Party-Gili. Gili Meno. Die Honeymoon-Gili. Und Gili Air. Eine Mischung zwischen den ersten beiden. Keine motorisierten Fortbewegungsmittel auf den Inseln. Sämtlicher Transport mit Pferdekarren. Viele Tiere dabei im schlechten Zustand. Für mich Tierquälerei. Darum alles zu Fuss. Oder mit Fahrrad erkundet.

Auf Gili Air gepilgert. Mit Flavio. Die Bromance ging weiter. Für die Honeymoon-Gili war unsere Freundschaft noch nicht bereit. Und auf Party-Gili keine Lust gehabt. Zu wackelig die Beine nach der Wandertour. Mit Gili Air einen Mittelweg gefunden. Drei Tage lang. Strandliege. Bücher. Nichtstun. Kokosnüsse. Sonnenschein. Burger. Bier. Cola. Und einheimische Spezialitäten. Zwischendurch ein paar Kraftübungen eingestreut. Um einen pummeligen 3D-Effekt im T-Shirt zu vermeiden. Letztendlich gelungen.
Tauchen. Und Schnorcheln rund um die Gili Inseln sehr beliebt. Haben wir geschickt ausgelassen. Wäre zu viel Bewegung gewesen.

Alltag auf Gili Air.
Alltag auf Gili Air.

Disko-Yoga in Ubud.
Die Bromance wollte nicht enden. Auch in Ubud nicht. Für ein paar Tage. Danach jeder seinen eigenen Weg gegangen.

Ubud. Ein schöner. Und entspannter Ort auf Bali. Im Landesinneren. Umgeben von Reisterrassen. Geprägt von vielen Tempeln. Jede Familie. Jede Strasse. Jedes Viertel. Einfach alles. Und jeder. Hat einen eigenen Schrein. Oder Tempel.

Gemütliche Restaurants. Viel gutes. Und gesundes Essen. So köstlich. Hatten uns in das Geheimnis der einheimischen Küche einweihen lassen. Spontan einen Kochkurs gebucht. Morgens auf dem Markt. Die Zutaten und das ganze Treiben erklären lassen. Anschliessend den Kochlöffel geschwungen. Die balinesische Sauce. Der wichtigste Bestandteil aller balinesischen Gerichte. Ohne geht nichts. Und schmeckt nichts. Das Ergebnis unserer Kochkünste. Nasi Goreng. Mi Goreng. Satay Lilit. Gado-Gado. Chicken Curry. Und ein schwarzer Reispudding als Dessert. Sollte die beste Speise werden. Während der gesamten Indonesienreise.

Das Resultat vom Kochkurs. Mhmm.
Das Resultat vom Kochkurs. Mhmm.

Ubud auch als Yoga-Mekka bekannt. Überall Touristen. Auf ihrer Kleidung Elefanten. Typisch für Backpacker. Oder Yoga-Fans. Wird mir nie passieren. Elefanten zu tragen. Nicht freiwillig. Viele mit Yoga-Gesichtsausdruck anzutreffen. Leichtes Strahlen. Ein Hauch von Glückseligkeit in ihren Augen. Als wurde ihnen Einblick gewährt. In die Welt der Erleuchteten. Das Resultat einer Überdosis Yoga. Meditation. Und spiritueller Umgebung. Oder Einnahme von illegalen Substanzen. Aufgrund der harten Drogenpolitik Indonesiens. Letzteres auszuschliessen.

Yoga konnte ich mir nicht entgehen lassen. Als fortgeschrittener Yoga-Anfänger. In zwei unterschiedlichen Yoga-Studios gewesen. Unterschiedliche Stilrichtungen ausprobiert. Yin Yoga. Restorative Yoga. Hatha Yoga. Vinyasa. Bei unterschiedlichen Lehrern. Ganz neue Erfahrungen gesammelt. Viele Lehrer. Die Yoga als Aerobic interpretierten. Dynamische Bewegungen zu rhythmischer Musik. Mit Anweisungen. Die an einen Drill erinnerten. Und überall. Ausnahmslos. Hintergrundmusik. Teilweise so laut. Nicht die Anweisungen der Lehrer verstanden. Wollte aus den meisten Yogastunden flüchten. Vorzeitig. Schaffte es jedoch drin zu bleiben. Gegen meinen eigenen Willen. War besonders stolz darauf. Nicht dem inneren Quengeln nachgegeben zu haben.

Spontan in Ubud um ein paar Tage verlängert. Nachdem mich westliche Luxusprobleme geplagt hatten. Die nächste Entscheidung zu treffen. Wohin es gehen soll. In einem Restaurant. Vom organischem Essen geprägt. Wie viele in Ubud. Einen Australier kennengelernt. Machte sich komische Notizen auf einer Serviette. Versuchte geometrischen Formen Buchstaben und Zahlen zuzuordnen. Aufgrund der Anzahl Kanten eines Objekts. Umso Informationen zu entschlüsseln. Erinnerte mich irgendwie an den Film A Beautiful Mind. Mit Russel Crowe. Seine Erläuterungen interessant. Konnte. Oder wollte ihm nicht ganz folgen. Zu Abstrakt. Er hatte noch etwas von Klang-Pyramiden erwähnt. In der Nähe. Soll einer seiner besten Erfahrungen gewesen sein. Dem nachgegangen.

Pyramids of Chi. Darin werden Soundhealing Sitzungen gehalten. Heilung durch Klänge. Noch nie gemacht. Und musste auch nicht geheilt werden. Wüsste nicht von was. Trotzdem. Die Neugier zu gross. Zudem gerade Vollmond. Hatte mich für eine Vollmond-Sitzung angemeldet. Sollte etwas besonderes sein. War es auch. Angekommen bei den Pyramiden. Mit Willkommensgetränk. Frisch gepresster Saft. Aus allen möglichen Früchten. Sah gesund aus. War gesund. Die Heilung hatte schon begonnen. Anschliessend der Ablauf erklärt worden. Dreissig weitere Menschen dabei. Die in den Pyramiden-Klängen Heilung suchten. Oder einfach von der Neugier getrieben waren. Wie ich.
Es ging los. Draussen einen Kreis um eine Art Lagerfeuer gebildet. Händchen haltend. Der Guru beschwor die Götter. Und Tiere aller vier Himmelsrichtungen. Schamanische Zeremonie. Sehr interessant. Das ganze von Klängen eines Didgeridoo begleitet. Neben mir eine Frau. Dresscode Hippie. Spürte Energiestösse durch ihren Körper. Die sie imposant zum Zuckbewegungen zum Ausdruck brachte. Mein Geist offen für die ganze Zeremonie. Und war bereit alles ernst zu nehmen. Oder in ihrer Natürlichkeit zu akzeptieren. Und trotzdem konnte ich mir einen Lachanfall nur schwer verkneifen. Klappte zum Glück. Kein Spielverderber gewesen. Mit den Segen aller Götter. Und Tiere. In die Pyramide gegangen. In der Mitte diverse Klanginstrumente. Rundherum zahlreiche Matratzen und Kissen auf dem Boden. Suche mir einen Platz. Unmittelbar in der Nähe eines Aufschlag-Idiophons. Auch als Gong bekannt. Über eine Stunde wurde die Pyramide in ein Klanghaus verwandelt. Die verschiedenen Instrumente wurden abwechselnd. Oder Zeitgleich gespielt. Vibrationen flossen durch meinen Körper. Konzentrierte mich auf die Atmung. Und wurde phasenweise in eine andere Welt katapultiert. So intensiv. Spürte den Körper nicht mehr. Unheimliches. Und zeitgleich aufregendes Gefühl. Zwischendurch mischten sich Schnarchgeräusche in die Klangkulisse. Nicht alle konnten der bequemen Matratze mit Wachsamkeit standhalten. Teilweise so laute Schnarchgeräsuche. Versetzten mich in die letzte Nacht mit der Transsibirischen Eisenbahn. Als ein schnarchendes Pärchen mir eine schlaflose Nacht bescherte. Dachte kurz darüber nach. Aufzustehen. Und das Schnarchen mit einem Kissen zu ersticken. Sanft. Und geräuschlos. Was ich nicht tat. Letztendlich. Da zu viele Zeugen.
Nach dem Klangspektakel. Mein Körper und Geist mit neuer Energie aufgeladen. Ein fantastisches Erlebnis. Trotz menschlicher Nebengeräusche.

Pyramids of Chi.
Pyramids of Chi.

Abschluss in Canggu.
Canggu gefiel mir. Darum die letzten Tage da verbracht. Wollte noch ein paar Wellen hinterher paddeln. Die Bedingungen jedoch nicht so rosig gewesen. Darum mit Strandpartys. Guten Essen. Und etwas Yoga eine Alternative gefunden. Obwohl Yoga wieder Disko-Flair hatte. Und unnötige Hintergrundmusik. Die Zukunft. Wenn nicht schon Realität. Wird geprägt von erleuchteten Yoga DJ‘s. Die an Yoga Partys auflegen. Mit Menschen die Yoga als Ausdruckstanz interpretieren. Und in die Unendlichkeit der Erleuchteten dahin schweben. Aber nicht mit mir.

Mein Eindruck.
Die Einheimischen auf allen drei Inseln herzlich. Und hilfsbereit. Die Vielseitigkeit der Inseln machte es zum Abenteuer. Surfen und Yoga auf Bali. Vulkan-Wandern in Lombok. Entspannen auf den Gili Inseln. Was ich verpasste. Tauchen im Komodo Nationalpark. Soll wunderschön sein. Das nächste Mal dann.

Der Verkehr. Leicht gefährlich. Scooter in der Mehrzahl. Selbst mal gefahren. Unwohl gefühlt. Da Fahrweise allgemein zu abenteuerlich. Einen Scooter-Unfall live gesehen. Unschön. Zum Glück nicht selbst erlebt.

Das Meerwasser. An vielen Stränden in Bali zumindest. Etwas in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele Flüsse verdreckt. Und münden direkt ins Meer. Die Wellen dafür Weltklasse. Viele. Und coole Spots zu surfen. Und alles ohne Wetsuit möglich. Das Essen ein Höhepunkt. Köstlich. Mir eine Überdosis Nasi Goreng. Und Mi Goreng gegeben. Sowie tausend Kokosnüsse geschlürft. Zum Spottpreis.

Komme wieder. Aber definitiv nicht wegen Disko-Yoga. Das Wellenreiten. Essen. Und die Indonesier. Dafür spitze.

Als nächstes.
Abstecher nach Kuala Lumpur. Bei einem Paneristi. Seiner Freundin. Und zwei Vierbeinern. Und weiter der Welle nach. An der Küste Sri Lankas.

Du kannst es nicht für dich behalten. Weiter erzählen.

Gescheiterte Karaoke-Karriere und erprobtes Ertrinken in Taiwan.

Warum Taiwan.
Ursprünglich nicht auf dem Radar gehabt. Änderte sich nach dem ersten Blogeintrag. Schlagartig. Heinz. Ein Freund aus den Anfängen meiner Werbekarriere. Lockte mich mit einer Karaoke-Karriere nach Taiwan. In die Hauptstadt Taipeh. Da hatte er sich niedergelassen. Mit seiner Freundin. Erin. Der weltweit besten Stewardess. Mit Hilfe der beiden würde ich durchstarten. Ein Leben im Rampenlicht. Als Karaoke-Megastar.

Kurz zu Taiwan. Verlorener Sohn Chinas. So auf Wikipedia. Die Bezeichnung der portugiesischen Seefahrer besser. Und passender. Ilha Formosa. Soviel wie «schöne Insel». Über 22 Millionen Einwohner. Nur von dreiundzwanzig Ländern als eigenständiger Staat anerkannt. Für die anderen. Insbesondere westliche Länder. Als Teil von China eingestuft. Für China selbst sogar nur eine Provinz. In den meisten Köpfen als Land der Billigproduktion von Markenartikeln verankert. So auch in meinem. Jedoch viel mehr zu bieten. Schöne. Und abwechslungsreiche Küste. Mit Surfspots. Dazu mehrere Berge. Über 3000 Meter hoch. Ein Wanderparadies.

Der Flug nach Taipeh kurz. Da Nachbarinsel von Japan. Meinem vorigen Abenteuer. Bei Ankunft ein anderes Menschenbild. Konnte die Asiaten besser voneinander unterscheiden. Zumindest Japaner von allen anderen Asiaten. Fiel mir vor meiner Reise deutlich schwerer. Für die Asiaten umgekehrt genau gleiche Situation. Westliche Zweibeiner sehen alle gleich aus. Auf den ersten Blick. Irgendwie. So ein paar neue asiatische Freunde. Konnte ich ihnen nicht verübeln. Im Nachhinein. Menschen in Taiwan grösser als in Japan. Im Durchschnitt. Jedoch nicht minder freundlich. Dafür lauter. Viel lauter. Bei Ankunft am Flughafen kurzer Schreckmoment. Vor Passkontrolle. Wusste nicht ob Visumpflicht für Schweizer bestand. Gottseidank nicht. Ins Land reingelassen worden. Für neunzig Tage.

Taipeh 101 Tower. Das Wahrzeichen von Taipeh.
 Der 101 Tower. 508 Meter hoch. Das siebthöchste Gebäude der Welt. Das Wahrzeichen von Taipeh.
Aussicht vom Taipeh 101Tower,
Aussicht vom 101 Tower.

Fast eine Karaoke-Karriere hingelegt.
Die Vorbereitung aller Beteiligten solide. Heinz und Erin sich über die Lokalitäten erkundigt. Ein paar Freunde. Und womöglich zukünftige Fans von mir. Versuchten sie zum gemeinsamen Karaoke-Abend zu motivieren. Mit mässigen Erfolg. Machte mir nichts aus. Mich auf meinen Teil konzentriert. Täglich unter der Dusche gesungen. Kraft und Ausdauer mit Trainings auf Weltklasseniveau gehoben. Zu Fuss und Fahrrad. Draussen. Bei über 30 Grad und gefühlten 200% Luftfeuchtigkeit. Mit Heinz den Hausgipfel Jinmianshan bestiegen. Solche Strapazen nicht mal in meiner Fussballkarriere auf mich genommen. Gut. Darum wahrscheinlich auch kein Profi geworden. Mein Körper in Topform. Die Stimmbänder natürlich auch. Der stärkste Amir aller Zeiten. Mit einer poppigen Frisur meinem neuen Ich den letzten Schliff verpassen lassen. Erin hatten jemanden. Eine Vertrauensperson. Ein Coiffeur. Der wusste was er tat. Hatte ruhige Hände. Wie ein Chirurg. Leistete präzise Handwerkskunst. Wie ein Schweizer Uhrmacher. Das Resultat verblüffend. Eine J-Pop Frisur wie aus dem Buche. Hätte mir in Japan von Null auf Hundert einen Promistatus verliehen. Davon war ich überzeugt. Die Vorbereitungen damit abgeschlossen.
Der grosse Tag. Oder Abend. Nun ja. Der kam nicht. Kein Karaoke. Kein Singen. Keine Fans. Keine Karriere. Zumindest nicht im realen Leben. In Gedanken hatte ich mein Karaoke-Star-Dasein bereits gelebt. Mit allen dazugehörigen Gefühlslagen. Und Vorstellungen. Ein Gesichtleser in Lissabon meinte ich sei ein Kopfmensch. Würde Erlebnisse im Universum meiner Gehirnzellen weitaus mehr geniessen. Als im realen Leben. Vielleicht ist da was dran. Jedenfalls. Verpassten wir es eine Karaokebar aufzusuchen. Vergleichbar mit einer geplanten Weltreise. Die einfach nicht gemacht wird. Oder einer grossen Werbekampagne. Die nicht geschaltet wird. Klingt verrückt. Tatsächlich meiner Karaoke-Karriere so ergangen. Und das Schöne daran. Niemand war schuld. Und niemand böse. Weder mein Management. Erin und Heinz. Noch ich. Sollte einfach nicht sein. Der Weg war das Ziel. Wussten wir aber erst im Nachhinein.

Mit Erin und Heinz beim Essen.
Abendessen mit meinem Karaoke-Management. Erin und Heinz.
Wandern auf den Jinmianshan.
Wandern auf den Jinmianshan.
Aussicht auf eine Seite des Jinmianshan Gipfels.
Aussicht auf eine Seite des Jinmianshan Gipfels.
J-Pop Frisur für die Karaoke-Karriere.
J-Pop Frisur für die Karaoke-Karriere.

Surfen in Taitung. Dulan.
Eine Vorahnung gehabt. Was die Karaoke-Karriere anbelangt. Darum meiner Intuition gefolgt. Etwas anderes auszuprobieren. Surfen. Das letzte Mal schon eine Weile her. Vor ein paar Jahren im Surfcamp gewesen. In Portugal. Mich für das Wellenreiten begeistert. Wurde nach zwei Tagen von den Anfängern zu den talentierten Anfängern befördert. Durfte mit den erfahrenen Surfern mit. Grüne Wellen anpaddeln. Und surfen. Hatte ich innerhalb einer Woche hingekriegt. Seitdem liebäugelte ich mit dieser Freizeitbeschäftigung. In der Schweiz etwas schwerer auszuüben. In Taiwan einige Surfspots. In Donghe. Und Dulan. Im Landkreis Taitung. Südöstlich gelegen. Fündig geworden. Einen Inlandflug genommen. Mich in einem Surfhostel niedergelassen. Wa Ga Li Gong. Entspannte Atmosphäre. Viele Workawayers. Reisende. Die Vorort arbeiteten. Kunterbunte Mischung vieler Nationalitäten. Mit ihnen frühmorgens den Haus-Surfspot erkundet. Mit dem Sonnenaufgang rausgepaddelt. Keine grossen Wellen. Machte den Einstieg dafür umso leichter. Wellengang kann auch grösser sein. Besonders während der Taifun-Saison. Und tatsächlich kam ich in den Genuss eines Taifun-Wellengangs. Vor der Küste weit im Meer tobte das natürliche Unwetter. Steuerte direkt die Küste an. An der ich Baby-Wellen ritt.

Morgenstimmung vor dem Surfen,
Morgenstimmung beim Surfen.
Surf-Shuttle.
Surf-Shuttle.

Eines morgens fuhr mich die Managerin des Hostels zu einem Spot. Diesen kannte ich nicht. Lag jedoch am gleichen Abschnitt wie der Baby-Wellen-Surfspot. Sie erklärte mir den Spot kurz. Wo rauspaddeln. Wo die Wellen am besten brechen. Dann machte sie sich auf und davon. Und würde mich in eineinhalb Stunden abholen kommen. Sass ein paar Minuten am Strand. Und beobachtete die ganze Szenerie. Der Himmel grau. Der Wellengang unruhig. Weit und breit keine Menschenseele. Nur ein alter Mann. Machte komische Dehnübungen. Und ich. Ein leicht mulmiges Gefühl im Bauch. Wollte es trotzdem wagen. Hatte mir zwei Orientierungspunkte gemerkt. Je weiter ich raus paddelte. Desto intensiver das ungute Gefühl. Weiter draussen brachen die Wellen. Von überall. Und ohne Vorwarnung. Mittendrin ich. Wie ein kleines Häufchen Elend. Leicht überfordert mit der Situation. Beschloss aus dem Wasser zu gehen. Sah an einem Orientierungspunkt paar Australier. Von meinem Hostel. Die würden mich wenigstens sehen. Falls etwas wäre. Dachte ich mir. Versuchte ein paar Wellen anzupaddeln. Erfolglos. Dafür richtig durchgewaschen worden. Wie in einer Waschmaschine. Blieb ruhig. Fing immer an zu zählen. Unter Wasser. Ein Trick um nicht in Panik zu geraten. Da Zeit unter Wasser sich sonst länger anfühlte. Als es wirklich war. Bei einem weiteren Waschgang schnürte sich die Leine des Surfbretts. Mit der ich mit einem Fuss verbunden war. Um meinen anderen Fuss. Unter Wasser realisierte ich das. Konnte meine Beine nicht bewegen. Da beide Füsse zusammengebunden waren. Kurz davor gewesen in Panik zu geraten. Mich irgendwie beruhigt. Füsse befreien können. Luft wurde sehr knapp. Ein paar mal leer geschluckt. Darum an die Oberfläche hochgeschnellt. Gott sei Dank für kurzen Augenblick ruhig gewesen. Keine grosse Wellen. Spürte das Adrenalin. Aufregendes Gefühl. In Kombination mit Hilflosigkeit jedoch beängstigend. Darum versucht zurück zu paddeln. Paddelte eine Weile. Kam dem Strand nicht näher. Im Gegenteil. Wurde weiter rausgetrieben. Müdigkeit setzte langsam ein. Die Australier mittlerweile nicht mehr da. Keine schönen Momente. Dafür unbequeme Gedanken. Ertrinken. Und Tod. Ignorierte diese. Konzentrierte mich auf eine ruhige Atmung. Und leichte Paddelbewegungen. Irgendwann würde eine Welle kommen. Und mich sicher an den Strand bringen. Und so geschehen. Ein grosse Welle bracht ein paar Meter hinter mir. Mit grosser weisser Schaumwelle den Strand erreicht. Umklammerte das Brett während dem Rettungsritt. Versuchte nicht einmal mehr aufzustehen. Keine Kraft mehr gehabt. Überglücklich mich hingesetzt. Beruhigt. Versucht meine Gedanken zu ordnen. Über das Geschehene. Was hatte ich mir bloss dabei gedacht. Alleine rauszupaddeln. Ich weiss es nicht. Ein Abenteuer war es jedenfalls. Mit einem glücklichen Ende. Es sollte nicht mein letzter Surfversuch gewesen sein. Da war ich mir sicher. Die Faszination Surfen einfach zu gross.

Mein Rückflug nach Taipeh gestrichen worden. Wegen Taifun-Warnung. Den Zug genommen. Der Taifun drehte jedoch rechtzeitig ab. Und erwischte das Land nicht. Darum meinen Weiterflug nach Bali nicht verpasst.

Dieser Surfspot erteilte mir eine Lektion.
Dieser Surfspot erteilte mir eine Lektion.

Mein Eindruck von Taiwan.
Nette Menschen. Gutes Essen. Wunderschöne Natur. Mit vielen Bergen und schöner Küste. Die Surfspots nicht überfüllt. Viele Shoppingmöglichkeiten in Taipeh. Da viele Flagship-Stores. Die Stadt zudem gut mit Fahrrad zu erkunden. Davon überall in der Stadt orange Exemplare zu mieten. Einheimischen Zugang bekommen. Zum Land. Durch Erin und Heinz. Tausend Dank euch. Wie Einheimischer gehaust. Gegessen. Getrunken. Gefeiert. Nur nicht Karaoke gesungen. Ein anderes Mal.

Im Nachhinein. Viel zu früh abgereist. Nach nur acht Tagen. Musste Weiterflug vor Ankunft buchen. Unterschätzte Taiwan. Und all seine Möglichkeiten. Die Schönheit. Und Offenheit. Muss darum wiederkommen. Und da war noch etwas mit Karaoke.

Als nächstes.
Wellenreiten und Disko-Yoga auf Götterinsel Bali. Vulkan kitzeln in Lombok. Und Kokosnuss schlürfen auf Gili-Air.

Du kannst es nicht für dich behalten. Weiter erzählen.

Im Land der aufgehenden Sonne.

Schon als Kind fasziniert.
Vier Jahre Karate praktiziert. Unzählige Manga gezeichnet. Und Anime geschaut. Von Captain Tsubasa. Über Pokemon. Bis Dragonball. Alles dabei gewesen. Sony Walkman. Nintendo. Super Nintendo. Sega Mega Drive. Sega Saturn. Unzählige Stunden. Tage. Und Nächte. Mich mit der japanischen Unterhaltungselektronik beschäftigt. Ninja und Samurai Filme auch nicht ausgelassen. Mir den Bauch mit Ramensuppen vollgeschlagen. Und natürlich Sushi. Daher unausweichlich. Das japanische Abenteuer musste her.

Nippon. Oder Nihon. Japan auf japanisch. 6’852 Inseln. Über 126 Millionen Einwohner. Davon gefühlt alle in Tokio. Während den Stosszeiten. Auf der Shibuya Kreuzung anzutreffen.

Die Geschichte der letzten vierhundert Jahre sehr spannend. Darum ein sehr kurzer Exkurs. Die Edo-Ära. 1603 bis 1867. Vom Tokugawa Shōgunat regiert. Der Shōgun. Als Oberbefehlshaber aller Streitkräfte. Hatte mehr zusagen als der Kaiser selbst zu dieser Zeit. Obwohl der Kaiser als Gottähnlich angesehen wurde. Die Liebe der Bevölkerung zum eigenen Land ins Unermessliche gestiegen. Eigene Kultur sich entwickelt. Mit Geishas. Kabukiza Theater. Und Ukiyo-e. Die japanische Malerei und Druckgrafik. Um ein paar zu nennen. Japan während Shōgunat-Dynastie bis 1868 von der Aussenwelt abgeschottet gewesen. Nur Handel mit China und Holland wurde getrieben. Und ein wenig mit Portugal. Bis Amerikaner anklopften. Mit weiterentwickelten Waffen im Gepäck. Und auf Handel mit Japan beharrten. Der Shōgun unterschrieb den Handelsvertrag. Gegen den Willen des Kaisers. Sozusagen gegen den Willen Gottes. Hochverrat. Der Rückhalt aus der Bevölkerung nicht mehr da. Für den Shōgun. Und damit das Ende der Shōgun. Und Samurai-Ära. Die Hinterlassenschaft der Samurai gross. Der Bushido Kodex. Mit Werten wie Loyalität. Aufrichtigkeit. Höflichkeit. Und Ehre. Heute noch präsent. Im Alltag. Und Berufsleben.
Der Kaiser wieder an der Macht. Fuhr einen anderen Kurs. Überraschend. Öffnete das Land. Damals technologisch unterentwickelt. In Europa und Amerika die Industrielle Revolution längst im Gange gewesen. Züge als Transportmittel. Zum Beispiel. Während Japan noch in der Feudalzeit steckte. Mit Pferden und Kutschen. Das Erstaunliche. Die Geschwindigkeit Japans. Innerhalb von zweiundsiebzig Jahren sich so stark entwickelt. Eroberten Grossteile Asiens. Und scheuten ein militärisches Kräftemessen mit den Amerikanern nicht. 1945 einst in die Knie gezwungen. Sind sie aufgestanden. Und wie. Innert kürzester Zeit sich damals zur zweitstärksten Wirtschaftsmacht gemausert. Mit etwas finanzieller Unterstützung des einstigen Feindes USA. 1965 bis 1970. Und besonders anfangs der Neunziger Jahren. Wirtschaftsboom in Japan. Der letztere getrieben von Produktion und Export. Der Automobilindustrie. Und Unterhaltungselektronik. Japaner feierten eine grosse Fete nach der anderen. Bis 1992. Dann platzte die Blase. Seitdem die Feten nicht mehr so dekadent wie auch schon.

Als Vorbereitung ein Buch gelesen. Darum spinnen die Japaner. Spannende Lektüre. Half mir besser zu verstehen. Warum sie so sind. Wie sie sind. Die Japaner. Einfach verrückt. Im positiven Sinne. Während der Reise mir ein weiteres Buch gekauft. A geek in Japan. Von Geschichte. Über Manga-Welt. Bis Japan heute. Alles abgedeckt. Kurz. Und inhaltsreich.

Ankunft am Flughafen.
Anderer Umgang als in Russland. Andere Ordnung. Bei der Passkontrolle spürbar. Die Signaletik zum Glück überall in Englisch. So auch die Toilette gefunden. Auf den ersten Blick leicht überfordert gewesen. Zu viele Knöpfe neben der Kloschüssel. Mich vorsichtig rangetastet. Den Knopf für den Wasserstrahl gefunden. War auf höchster Stufe eingestellt. Der erste Strahl damit wie eine Entjungferung. Panikartig alle Knöpfe gedrückt. Per Zufall die Stärkenregelung gefunden. Konnte den unfreiwilligen Einlauf stoppen. Danach angenehm gewesen. Wie im Wellness. In Zukunft werde ich mich mit meinem Facebookprofil einloggen können. Über eine Japan-WC-App. Und die Toilette weiss über meine Lieblingsmusik bescheid. Und spielt diese ab. Zusätzlich kriege ich für jeden zehnten Toiletten-Besuch einen Gutschein. Für einen Getränkeautomaten. Da bin ich mir sicher.

Mir vom ehemaligen Surfcamp Zimmergenossen. Taro. Diverse Tipps geben lassen. Als Japaner weiss er Bescheid. Ausgestattet mit einer Simcard. SuicaCard. Und Japan Railpass für drei Wochen. Begann die Entdeckungsreise. Den Railpass ins Hostel in Tokio liefern lassen. Kann man neu auch direkt in den grösseren Städten Japans kaufen. Einfach etwas teurer.

Tokio.
Eine Woche die Hauptstadt erkundet. Früher Edo genannt. Pulsierend. Dynamisch. 38 Millionen Einwohner. Sehr viele coole Bezirke. Shibuya. Mit der berühmten Kreuzung. Entspannte Cafés. Und Shoppingmöglichkeiten. Shinjuku. Eine der Ausgehmeilen. Ginza. Reich und Schick anzutreffen. Asakusa. Mit traditionellen Vierteln. Akihabara. Der Treffpunkt für Manga. Anime. Und Gadget Fanatiker. Und viele mehr.

Mein Hostel in Asakusa. Eine Kapsel-Unterkunft. Gemeinschaftsschlag. Mit vierzig Personen. Jeder hatte seine Kapsel. Und somit Privatsphäre. Ein bisschen. Nette Reisende. Schöner. Und traditioneller Gemeinschaftsbereich mit Küche. Gefiel mir sehr gut. Fühlte mich wohl.
Eines abends länger im Gemeinschaftsbereich hängen geblieben. Andere hatten sich in Stimmung getrunken. Um drei Uhr morgens. Mich ins Karaoke schleppen lassen. Gleich auf der anderen Strassenseite. Nüchtern Karaoke singen. Will gelernt sein. Besonders wenn man nicht singen kann. Wie ich. Die Karaokebars in Japan anders als ich es kannte. Man mietet einen Raum. Den Karaokeraum. Und hat diesen für eine bestimmte Zeit für sich. Kann auch als alternative Übernachtungsmöglichkeit genutzt werden. Für ein paar Stunden. Falls es nicht mehr auf die letzte Metro reicht. Meine Stimmbänder mit Bier gelockert. Fly like an Eagle. Von Seal. Und They don’t care about us. Von Michael Jackson. Im Duett. Mit türkischen Kollegen gesungen. Der Raum kochte. Als wir loslegten. Die Menge am durchdrehen. Zumindest mein Eindruck. Es sollte nur meiner bleiben. Andere suchten sich etwas anspruchsvollere Kaliber aus. Von Abba. Bis Eminem. Alles dabei. Eine halbe Stunde später. Schluss. Aus. Der Karaoke-Quickie vorbei. Einige suchten den Nachhauseweg auf. Andere die nächste Bar. Ich gehörte der letzteren Gruppe an. In der Bar. Passten nicht mehr als zehn Personen rein. Ein paar Bier auf der Rechnung. Und eine Servicegebühr von über drei Franken. Pro Person. Das ist üblich in manchen Bars. Es gibt in Japan kein Trinkgeld. Dafür Servicegebühren. Oder Sitzgebühren genannt. Nicht sicher ob das nur Touristen berechnet wird. Nach der Bar suchten einige den Nachhauseweg auf. Andere wieder die Karaokebar. Ich gehörte der letzten Gruppe an. Wieder. Shape of you. Von Ed Sheeran. Und Let it be. Von den Beatles. Mit verkratzten Zuckerstimme von mir gegeben. Halbe Stunde später. Schluss. Und aus. Der zweite Karaoke-Quickie vorbei. Und alle zurück ins Hostel. Auch ich.

Traditionelles Viertel in Asakusa.
Traditionelles Viertel in Asakusa.

Baseball in Japan der populärste Sport. Hinterlassenschaft der Amerikaner. Spontan an einem Spiel gewesen. Auf den billigsten Plätzen. Stehplätze. Im Tokio Dome. Tokio Giants gegen Hanshin Tigers. Aus Osaka. Ich im Fansektor des Gegners. Verloren zwischen den lauten Fangesängen. Das Spiel einseitig. Die Hausherren dominierten nach Belieben. Hatte nach einer Stunde genug gesehen. Im Stehen. Baseball schauen ist langweilig. Wenn alleine. In Gruppe sicher lustiger. Angst haben man könnte etwas verpassen. Braucht es nicht. Da kein dynamischer Spielfluss.

Baseballspiel in Tokio.
Baseballspiel im Tokio Dome.

Essen in Tokio. Ein wahrer Gaumenschmaus. Sogenannte Foodgasm gehabt. Manchmal multiple. Ramensuppe. Sushi. Matchi-Balls. Shabu Shabu. Teppanyaki. Reis Bowls. Okonomiyaki. In allen möglichen Variationen ausprobiert. In den ersten Woche drei Kilogramm zugelegt. Ständig am essen. Onigiri. Gewürzte kleine Reisbälle. Dreieckig. Tausende davon als Snack verschlungen. Anfangs leichte Schwierigkeiten gehabt. Mit Stäbchen zu essen. Krämpfe in den Fingern. Und Händen bekommen. Neue Muskeln aktiviert worden. Wurde mit der Zeit besser.

Onigiri
Onigiri. Rettete mich ein paar Mal. Und damit alle anderen um mich herum.

Die Essengeräusche der Japaner interessant. Besonders beim Verzehr der Ramensuppe. Die wurde geschlürft. In allen erdenklichen Tonlagen. Passte mich an. Und schlürfte lauthals mit. Blieb nichts anderes übrig. Die Nudeln der Suppe zu heiss für die Lippen. Musste halt schnell gehen. Und schnell gehts nur mit Schlürfen. In den Ramenrestaurants geniesst man das Essen schnell. Sehr schnell. Man ist dort zum Essen. Und nichts anderes. Kein soziales Blabla. Oder Sitzenbleiben um Essen zu verdauen. Alles ging schnell. Bevor ich mich jeweils versah. Stand ich wieder draussen. Mit vollen Magen.

In Tokio. Über achtundachtzig tausend Restaurants. Könnte ein Leben lang dort verbringen. Und nur Essen. Vielleicht im nächsten Leben. Was unschön ist. Rauchen in Restaurants erlaubt. War etwas überrascht. Sonst überall sehr eingeschränkt. Nur in gekennzeichneten Bereichen auf der Strasse.
Essen in Subway. Oder Metro. Gibt es nicht. Sieht man nicht. Ausser vereinzelte Touristen.

Die Japaner sehr nett. Und hilfsbereit. Ein paar Mal nach dem Weg gefragt. Als Google Maps nicht weiterhelfen konnte. Oder wollte. Sie halfen. Und auch nicht. Und meistens war Geduld gefragt. Lautes Denken in Japanisch oft gehört. Ein lustiges Erlebnis. Immer wieder. Dann wurde mir eine Richtung genannt. Meistens falsch. War ihnen nicht böse. Unmöglich bei so viel Hilfsbereitschaft. Ich weiss es nicht. Nie als Antwort bekommen.

Eine Free Walking Tour gemacht. Nachtleben in Shinjuku. Das Thema. Treffpunkt irgendwo beim Bahnhof Shinjuku. So gross wie ein Flughafen. Ganz Free war die Tour nicht. Da Trinkgeld üblich ist. Japaner oft nach der Arbeit in einer Bar. Mit den Arbeitskollegen. Der Chef meistens auch dabei. Im Trinkgelage heulen sich alle aus. Sagen dem Chef die Meinung. Am nächsten Morgen alles vergessen. Und kein Thema mehr. Am Wochenende die richtige Fete. Sich früh verabredeten. Durch die unzähligen kleinen Bars ziehen. Passen fünf bis zehn Leute rein. Gegen Mitternacht eine Entscheidung fällig. Weiter festen. Oder Nachhauseweg antreten. Der Grund. Sämtliche Verkehrsmittel nur bis um Mitternacht herum unterwegs. Alternativ mit Taxi teuer. Oder Uber. Beides sehr teuer. Wenn Nachtdurst noch nicht gestillt. Wird die Kehle weiter befeuchtet. In einer der Bars. Oder Diskos. Falls die Energie ausgeht. Hilf die Karaokebar aus. Karaokeraum mieten für ein paar Stunden. Schlafen. Zeit überbrücken. Bis die erste Metro wieder fährt.
Japaner im Nachtleben. Eine geschlossene Gruppe. Nicht einfach da reinzukommen. Und neue Bekanntschaften zu machen. In den kleinen Bars. Oft eine Servicegebühr zu bezahlen. Betrifft meistens Touristen. Eine Lösung. Um einheimische Barkultur für Einheimische freizuhalten. Mein Eindruck. Sehr viele Love-Hotels rund um die Barszene in Shinjuku. Eine Rückzugsmöglichkeit. Für Pärchen mit akuten Liebesbedürfnis. Gibt unterschiedliche Themenzimmer. Für jeden Geschmack etwas dabei. Kann Stundenweise gebucht werden. Auch für ganze Nächte. Für Ausdauernde. So unser Tourguide.

Nachtleben in Shinjuku
Das Nachtleben in Shinjuku.

Erdbeben. Eines morgens wach geworden. Sanftes rütteln. Mein Tagebuch vom Regal gefallen. Im Kapsel-Hotel. Noch nie vorher ein Erdbeben wahrgenommen. Komisches Gefühl. Mir bewusst geworden. Japan in einer erdbebenaktiven Region. Über 1’500 Erdeben jährlich. Das schwerste im März 2011. Auf der Stärkeskala von über 9. Hatte damals die Hauptinsel Honshu um 2,4 Meter verschoben. Und damit die Massenverteilung der Erde verändert. Seitdem dreht sich der Planet etwas schneller. Der Tag seither um 1,8 Makrosekunden kürzer. Glücklicherweise mir ein derart heftiges Beben erspart geblieben.

Akihabara. Ein Viertel für Manga. Anime. Computerspiele. Und Gadget Fans. Auf der Suche nach Figuren meines Lieblingsanimes. Captain Tsubasa. Erfolglos geblieben. Alle kannten die Serie. Figuren. Oder andere Artikel davon. Hatte niemand. Leider. Im Sega Tower gewesen. Ein Spielsalon. Ohrenbetäubender Lärm. Aus allen Richtungen. Mich kurz an einen Spielautomaten hingesetzt. Street Fighter 2. Digitales Prügeln. In 2D. Hatte ich in meiner Kindheit gespielt. Fand zur alten Stärke zurück. Überraschend. Beschäftigte mich über eine Stunde. Spielte das Spiel gleich durch. Danach genug gehabt. Das Spieler-Comeback am Höhepunkt wieder beendet.

Spielsalon in Akihabara
Im Spielsalon in Akihabara.

Kreuzung in Shibuya. Bei Stosszeiten. Tausend Menschen zeitgleich die Strasse am Überqueren. Beliebtes Fotomotiv. Hälfte der Menschen laufen. Während die andere sich für Instagram-Fotos positioniert. Beides gemacht. Jedoch deutlich mehr Talent gehabt beim Laufen. Als Fotografieren.

Tagesausflug nach Kamakura gemacht. Südlich von Tokio. Am Meer gelegen. Bekannt durch zahlreiche Tempel. Shintô-Schreine. Und dem Amida-Buddha. Auch Daibutsu genannt. Hundert einundzwanzig Tonnen schwer. Der Strand ebenfalls beliebt. Auf Partystimmung gestossen. Das Meer nicht einladend. Daher die ganze Szenerie aus der Strandbar beobachtet.

Schwere Buddha Statue in Kamakura.
Der 121 Tonnen schwere Daibutsu in Kamakura.

Kyoto.
Richtung Kyoto. Im Shinkansen. Auch Bullet Train genannt. Hochgeschwindigkeitszug. Sicherster der Welt. Seit 1964 in Betrieb. Kein einziger Unfall mit Todesfolge bis anhin. In Sachen Pünktlichkeit konkurrenzlos. Durchschnittliche Verspätung eines Shinkansen-Zuges bei sechs Sekunden. Der Grund. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke vom restlichen Schienenverkehr abgekoppelt. Kann auch die Schweiz nicht mithalten. Die Geschwindigkeit im Zug spürbar. Einziger Zug mit essenden Japanern. Sonst in keinem anderen öffentlichen Verkehrsmittel gesichtet.

In Kyoto. Kulturell und geschichtlich eine Liga für sich. 794 bis 1868 Residenz des kaiserlichen Hofes. Und damit politisches Zentrum gewesen. Geishas. Eng mit Kyoto verbunden. Heutzutage nur in Kyoto anzutreffen. Wenn man Glück hat. Hatte leider keines. Auch keine Meiko angetroffen. Angehende Geishas.

Ganz andere Stimmung in Kyoto. Die Altstadt in Gion wunderschön. Fühlte mich in der Zeit zurückversetzt. Ebenfalls schön an Kyoto. Viele Tagesausflüge möglich. Ein paar davon gemacht. Arashiyama Bamboo Groove. Ein Bambuswald. Wie von einer anderen Welt. Gleich nebenan ein wunderschöner Garten. Rund um die Okochi Sanso Villa. Gehörte Denjiro Okochi. Einem berühmten Schauspieler. Ein weiterer Höhepunkt. Der Fushimi Inari Schrein. Einstündiger Weg zum Schrein durch tausende Torii’s. An ein paar gereizten Äffchen vorbei. An einem Tag zum Kurama Onsen gewandert. Dem schönsten in der Umgebung von Kyoto. Spät nachmittags losgelaufen. Eine Tafel zu Beginn des Weges riet von Wanderungen nach vier Uhr ab. Kümmerte mich nicht. Eineinhalbstunden über den Kurama-dera Berg. Eine mystische Stimmung gewesen. Nebel. Leichter Regen. Hohe Luftfeuchtigkeit. Alles kurz vor deim Eindunkeln. Zeitweise das Gefühlt gehabt. Verfolgt zu werden. Am anderen Ende des Berges angekommen. Ein Warnschild gesehen. Bären seien in der letzten Zeit häufig gesichtet worden. Vorsicht geboten. Sinnvolle Information. Bei meinem Startpunkt nicht platziert gewesen. Egal. Hatte keinen Bären gesichtet. Dafür die Kulisse im Onsen genossen. Auf die Berglandschaft.

Im Bambuswald.
Im Bambuswald. Mit ein paar anderen.
Viele Torii's auf dem Weg zum Fushimi Inari Shrine.
Tausende Torii’s auf dem Weg zum Fushimi Inari Shrine.
Schrein auf dem Kurama-dera Berg.
Schrein auf dem Kurama-dera Berg.

In einem Tempura Restaurant. Beim Hereinkommen. Ein herzliches «Willkommen». Von allen Angestellten. Kam mir wie ein Superstar vor. So viel Aufmerksamkeit. Das Essen ein Gaumenschmaus. Einmal mehr in Japan. Mittlerweile keine Krämpfe mehr in den Händen beim Hantieren mit den Stäbchen. Sogar Komplimente für meine Fingerfertigkeit erhalten. Beim Verlassen des Lokals. Ein Dankeschön-Chor. Von allen Angestellten. So erging es jedem einzelnen Gast. Jeder wird zelebriert. Einfach unglaublich. Geil.

Mein Hostel in Kyoto besonders modern. The Millenials. Die Kapsel umfasste gleich ein ganzes Bett. Liess sich mit iPod fernsteuern. In Sitz. Und Liegeposition bewegen. Das Licht ebenfalls über iPod gesteuert gewesen. Die Lounge sehr gemütlich. Ein Co-Workspace. Freibier jeden Tag. Für eine Stunde. Mini-Frühstück ebenfalls dabei. Entsprechend etwas teurer als die durchschnittlichen Kapsel-Unterkünfte. Meinen Aufenthalt trotzdem von drei auf fünf Tage verlängert.

Moderne Kapsel im The Millenials.
Moderne Kapsel im The Millenials.

Fukuoka.
Die grösste Stadt auf der Kyûshû-Insel. Südlichste der Hauptinseln. Über 1,5 Millionen Einwohner. Mochte die Stadt von Anfang an. Trotz der Grösse. Entspannte Atmosphäre. Keine Reizüberflutung wie in Tokio. Dazu paar Strände in der Umgebung.

Fukuoka
Fukuoka. Eine entspannte Grossstadt.

Wagte mich wieder alleine ins Nachtleben. Via TripAdvisor Englisches Pub lokalisiert. Mich auf dem Weg gemacht. Neben dem Pub eine andere Bar entdeckt. Darin Bauchtänzerinnen zu sehen. Spontan reingegangen. Bier bestellt. Die Show genossen. Eine japanische Dame kennengelernt. Miwa. Und ihren Kolleg. Captain. Den Besitzer der Bar. Den ganzen Abend lang uns über unsere Lieblingsanimes unterhalten. Und Manga. Sowie Sport. Die heimische Baseballmannschaft. Fukuoka Softbank Hawks. Eine feste Grösse. Erfolgreich. Spontan entschieden zusammen ein Spiel anzuschauen. Vier Tage später war es soweit. Captain konnte leider nicht dabei sein. Jemand musste die Bar schmeissen. Durfte dafür in seinen Yukata schlüpfen. Ein traditionelles japanisches Kleidungsstück aus Baumwolle. Alltäglichere Variante des Kimonos. Nicht gefehlt haben auch die hölzernen Flip-Flops. Von seiner Frau Nozomi eine Windfeste Frisur verpasst bekommen. Wenn schon im Yukata. Dann mit allen Drum und Dran. Die einfachen Fangesänge eingeimpft gekriegt. Konnte jede Szene mit meiner lauthals begleiten. Tolles Gefühl. Dazu zugehören. Kein Vergleich zum Spiel in Tokio. Als ich alleine unterwegs war. In einer Gruppe von fünf Personen. Feuerten wir das Heimteam von Fukuoka zum Sieg an. Anschliessend in eine Bar weiter gepilgert. Weitere Freunde von ihnen dazugekommen. Gegessen und getrunken. Als gäbe es keinen Morgen. Nur zwei Leute konnten etwas Englisch. Mit den anderen die Kommunikation etwas amüsanter. Mit Händen und Füssen.  Einer der besten Abende in Japan gewesen.

In Fukuoka. Baseballschauen mit neuen Freunden.
Beim Baseballspiel mit neuen Freunden.

Die Foodstalls. Yatai genannt. Essensstände auf der Strasse. Über hundertundfünfzig davon. Ein Symbol in Fukuoka. Maximum sieben oder acht Personen hatten Platz. Um den Koch herum. Vielseitige Speisen. Trotzdem unkompliziert. Jeder Essensstand hatte seine Spezialitäten. Um einige davon grosse Schlangen. Erwischte rechtzeitig einen beliebten Stand. Die Menu-Karte nur auf Japanisch. Mich darum kurz umgeschaut was die anderen assen. Nettes japanisches Pärchen erklärte mir die Speisen. Auf Japanisch. Mit eingestreuten englischen Wörtern. Die keinen Sinn ergaben. Nudeln mit Strassen-Pilzen. Und Frittierter Jeans. Soviel hatte ich verstanden. Glücklicherweise etwas besseres bekommen.

Ein Foodstall in Fukuoka.
Einer von vielen Foodstalls.

Nagasaki.
In der Nacht davor eine Dokumentation über den Atombombenabwurf auf Nagasaki geschaut. Was für eine Tragödie. Nagasaki dabei nicht primäres Ziel gewesen. Karatsu. Etwas weiter nördlich sollte dem Erdboden gleich gemacht werden. Wegen schlechten Sichtverhältnissen an jenem Tag. Das alternative Ziel angesteuert. Nagasaki.

Mit gemischten Gefühlen im Zug unterwegs gewesen. Im Bewusst sein. An einen Ort zu reisen. Der auf einen Schlag mal ausgelöscht wurde. Liess mir keine innere Ruhe.

Vom 16. bis 18 Jahrhundert Nagasaki ein wichtiger Hafen gewesen. Handel mit Holländern getrieben worden. Und kurzzeitig mit  Portugiesen. Der einzige Ort mit Kontakt zur westlichen Welt. Damals. Dadurch interessant für die Studenten in Japan. Die nach Nagasaki pilgerten. Um über die westliche Wissenschaft und Technologie etwas zu lernen.

Angekommen in Nagasaki. Ebenfalls auf der Kyûshû-Insel gelegen. Über 420’000 Einwohner. Alles sah normal aus. Keine Anzeichen. Was am 9. August 1945 um 11.02 Uhr geschehen war. Machte mich trotzdem traurig. Zu wissen. Was hier mal vorgefallen war.

Im Atombomben Museum gewesen. Kam nicht drumherum. Musste ich machen. 9. August 1945. Um 11.02. Uhr. Diese Daten stehen für Zerstörung. Für den zweiten Atombombenabwurf. Für eines der unmenschlichsten Ereignisse der Welt. Der Einschlag. Die Auswirkungen. Auf Mensch und Natur. Gut dokumentiert. Trieben mir Tränen in die Augen. Machten mit wütend. Nach zwei Stunden rausgelaufen. Mich hingesetzt. Die schwere Kost versucht zu verdauen. Später herumgelaufen. Die Hoffnung in die Menschheit langsam wieder zurück gekehrt. Als ich lachende Menschen sah. Und spielende Kinder.

Atombombe Fatman.
Rekonstruktion der Atombombe. Wegen der Form auch Fatman genannt.

Halbtagesausflug auf Insel Hashima gemacht. Wegen der Form auch als Gunkanjima bekannt. Kriegsschiff-Insel. Heute eine Gottverlassene Insel. Früher darauf ein unterseeischer Kohleabbau betrieben worden. Unter der Regie des Mitsubishi Konzerns. Der die Insel gekauft hatte. Ein eigenes Ökosystem entwickelte sich. Mit Postamt. Schule. Tempel. Badeanstalten. Krankenhaus. Geschäften. Und Bordell. Um einige zu nennen. Ursprüngliche Grösse der Insel. 120m Breite und 320m Länge. Wegen Platzknappheit ausgebaut worden. Auf 160m Breite und 480m Länge. Japans erstes mehrstöckiges Wohngebäude aus Stahlbeton hier errichtet worden. Ein Arbeiter hatte ganze 9,9 Quadratmeter für sich. Familien das Doppelte. Küchen und Toiletten wurden geteilt. Als Arbeiter für den zweiten Weltkrieg einberufen wurden. Mussten chinesische und koreanische Arbeiter herhalten. Unter unmenschlichen Bedingungen. Über 1’300 Tote letztendlich. Aufgrund von Energiereformen das Kohleabbau-Abenteuer anfangs 1974 vorbei. Die Anlage stillgelegt. Sämtliche Einwohner daraufhin fluchtartig die Insel verlassen. Heute dient sie als Touristenattraktion. Darum ich da gewesen. Mit dem Boot vom Hafen auf die Insel gesteuert. Hatten Glück mit dem Wetter. Die See ruhig. Sonst Ausflug womöglich ins Wasser gefallen. Wurden auf drei Besuchsplattformen geführt. Der Captain erläuterte die Geschichte der Insel. Auf Japanisch. Informierte mich jedoch im Vorhinein. Wusste Bescheid. Über den Hintergrund. Ein eindrücklicher Ort. Ein anschauliches Beispiel von der Ausbeutung der Natur im Industriezeitalter. Insel gehört zum UNESCO Welterbe. Seit 2015. So wie gefühlt alle anderen Orte in Japan. Diente ausserdem als Inspiration. Für den James Bond Film Skyfall.

Die Insel Gunkanjima. Kriegsschiff-Insel.
Die Insel Gunkanjima. Kriegsschiff-Insel.
Gunkanjima. Was davon übrig geblieben ist.
Gunkanjima. Was davon übrig geblieben ist.

Kagoshima.
Hafenstadt tief im Süden der Kyūshū-Insel. Bekannt durch den aktiven Vulkan. Sakura-Jima. Spektakuläre Aussicht auf den Vulkan gehabt. Während einem öffentlichen Fussbad. Die ganze Region leidet unter dem ständigen Ausstoss der Vulkanasche. Während meiner Anwesenheit keine Mätzchen vom Vulkan. Keine Vulkanasche weit und breit.

Im Restaurant. Die Klimaanlage gefühlt um den Gefrierpunkt eingestellt gewesen. Die Dame gebeten die Temperatur nach oben zu korrigieren. Da einfach zu kalt. Daraufhin wurde die Temperatur auf ein ganzes Grad höher eingestellt. Und mir ein warmer Tee serviert. Das müsste ausreichen. So die Dame. Mit einem Kälteschock das Restaurant nach dem Essen verlassen. Generell in Japan. Im August. Draussen sehr warm. Und hohe Luftfeuchtigkeit. Drinnen Eiszeit. Ob Metro. Hotel. Restaurant. Oder Geschäfte. Immer ein langarmiges Shirt dabei gehabt. So ohne Erkältung durchgekommen.

Kagoshima
Der Vulkan Sakura-Jima.

Hiroshima.
Auf der Hauptinsel Honshū gelegen. Knapp 1,2 Millionen Einwohner. Eine der japanischen Grossstädte. Auch hier. Keine sichtbaren Anzeichen. Was vorgefallen war. Strassen. Autos. Häuser. Geschäfte. Lachende Menschen. Spielende Kinder. Normaler Alltag.

Nach Nagasaki der zweite Ort. Der mir Tränen in die Augen trieb. Und Wut in den Bauch. Wurde vom gleichen Schicksal heimgesucht wie Nagasaki. Nur ein paar Tage früher. Am 6. August 1945 um 08.16 Uhr. Explosion der ersten Atombombe. Ungefähr achtzigtausend Menschen sofort tot. Über hunderttausend weitere Opfer sollten folgen. An den Spätfolgen.
Im Atombombenmuseum alles dokumentiert. Verbrachte eine Stunde darin. Zu viele Emotionen kamen auf. Musste raus. Kurz davor gewesen wieder verrückt zu werden. Und die ganze Welt in Frage zu stellen. Mich im Friedenspark wieder beruhigt.
Zwei Beispiele was mit einer Atombombe angerichtet werden kann. Und warum weitere Einsätze vermieden werden müssen. Trotzdem. Beflügelte es einige Nationen selber Atombomben zu entwickeln. Mit USA und Russland an der Spitze. Irgendwie ein Armutszeugnis.

Friedensdenkmal. Das Gebäude der Atombombenkuppel. Trotz geringen Abstands zum Epizentrum.
Friedensdenkmal. Das Gebäude der Atombombenkuppel. Trotz geringen Abstand zum Epizentrum. Die Gebäudestruktur hielt.

Zu etwas Erfreulichen. Das Essen. Okonomiyaki im Hiroshima-Stil gegessen. Eine lokale Spezialität. Sehr. Sehr lecker. Als ich das Lokal betrat. Mit meiner Fukuoka Baseballmütze. Schaute mich der Besitzer böse an. An seinem Handgelenk einen Pulswärmer entdeckt. Mit dem Logo der Carps. Einer anderen Baseballmannschaft. Im ganzen Laden dann Poster und weitere Artikel der Carps gesehen. Meine Mütze vorsichtshalber abgezogen. Der Besitzer lächelte. Und bat mich danach rein. Spätestens als ich mit seinem kleinen Sohn fiktives Baseball spielte. Verzieh er mir den Auftritt mit der gegnerischen Baseballmütze.

Der Chef beim Zubereiten des Okonomiyaki.
Der Chef beim Zubereiten des Okonomiyaki.

Einen Tagesausflug nach Miyajima gemacht. Eine kleine Insel. Bekannt durch den Itsukushima-Schrein. Auch Floating Shrine genannt. Liegt bei Flut komplett im Wasser. In der Gegend viele Rehe frei am Herumlaufen. Man konnte Reh-Cookies kaufen. Und sie füttern. Was ich nicht tat. Ich fütterte mich mit Cookies. Nicht mit Reh-Cookies.

Kinder wollen Eis mit Reh nicht teilen.
Wer teilt schon gerne sein Eis.

Osaka.
2,7 Millionen Einwohner. Eine Grossstadt. Die drittgrösste Japans. Bekannt durch die schillernden Neonlichter nachts. Definitiv eine Reizüberflutung für das Auge. Darum mich nur einmal nachts in Osaka bewegt. Sonst eher bewegungsfaul gewesen.

Die Lage Osakas. Guter Ausgangspunkt für Tagesausflüge. Darum die Himeji Burg mir angeschaut. Eines der ältesten japanischen Bauwerke aus dem 17. Jahrhundert. Die Anlage bestehend aus achtundachtzig Gebäuden. Die Burg innen leer. Jedoch sehenswert. Zum UNESCO Weltkulturerbe 1993 erklärt worden. Bis in das oberste Stockwerk hochgestiegen. Nichts für Menschen mit schwachen Knien. Da steile Treppenstufen.

Die Himeiji Burg.
Die Himeji Burg.
Das Innenleben der Himeiji Burg.
Das Innenleben der Himeji Burg.

Ausflug nach Nara gemacht. Von 710 bis 784 die Hauptstadt Japans gewesen. Dann der Hauptsitz nach Kyoto verlegt worden. Die Symbole der Grossstadt. Viele freirumlaufende Sikahirsche im Stadtpark. Und gut erhaltene Tempelanlagen. Eine davon mit grösster Buddha Statue Japans. Auch hier einige Tempel und Schreine Teile des UNESCO Weltkulturerbes.

Zahme Sikahirsche in Nara.
Zahme Sikahirsche in Nara.

Kumano Kodo.
Nach drei Wochen voller Sehenswürdigkeiten hatte ich genug. Von den Massen. Den Touristen. Der Reizüberflutung. Einfach allem. Brauchte einen Rückzug. Mich im Lonely Planet schlau gemacht. Und fündig geworden. Der Kumano Kodo. Ein heiliger Pilgerweg in Japan.

Die Reise führte mich nach Kii-Tanabe. Ausgangspunkt für die Wanderung. Und Ursprung des Aikido. Japanische Selbstverteidigungskunst. Hatte eine Nacht in einem Hostel gebucht. Und sonst nichts organisiert. Beim Bahnhof von der Touristen Information zum neu eröffneten Reisebüro gesendet worden. Dieses hatte sich ausschliesslich der Kumano Kodo Pilgerwanderung gewidmet. Mein Glück. Nannte die Anzahl Tage. Mein Budget. Und bis wohin ich wandern wollte. Um die Unterkünfte kümmerte sich eine nette Angestellte. Telefonierte alles ab. Und reservierte. Erklärte die Pilgerroute. Und drückte mir ein paar Pläne in die Hand. Nicht auszudenken. Hätte ich das alles alleine machen müssen. Stunden. Wenn nicht Tage. Hätte ich damit verbracht.

Die ganze Wanderung etwas leichter vorgestellt. Der Anfang bereits steil. Ich am keuchen. Nicht mehr so viel übrig von meiner fussballerischen Kondition. Jedoch schnell meinen Rhythmus gefunden. Schnelleres Schneckentempo. Steigerte mich von Tag zu Tag. Mal ein spanisches Pärchen überholt. Das eine Stunde Vorsprung hatte. Im Schnitt vier bis sieben Stunden gelaufen. Dabei viel Zeit gehabt im Hier und Jetzt zu sein. Und nachzudenken. Ein Rückzug wie ich es mir erhofft hatte. Praktisch alleine auf dem Weg gewesen. Ganz wenige Pilger angetroffen. Meistens nur in den Unterkünften.

Ständige Begleiter unterwegs. Vögel. Eidechsen. Und Schlangen. Habe nichts gegen Schlangen. Solange ich sie nicht sehe. In meinen Gedanken versunken. Schlängelte sich von links ein Exemplar an mich heran. Wollte durch meine Beine auf die andere Seite. Mein Puls auf zweihundert hoch geschnellt. Die Angst. Zwang mich zur unfreiwilligen Tanzeinlage. Mein Bachata Tanzkurs sich bezahlt gemacht. Und Geschrei. Kannte und hörte ich sonst eher vom weiblichen Geschlecht. Hatte zum Glück niemand mitbekommen. Konnte mich selber nicht mehr halten nach der Aktion. Mehrere Minuten gelacht. Mein Geist danach hellwach. Jede Baumwurzel als potenzielle Schlange identifiziert. Meine Füsse jederzeit in Tanzbereitschaft gewesen.

Die Unterkünfte alle im japanischen Stil. Futonbett auf Boden. Überall ein Yukata bekommen. Liebte es. Bequem. Einfach anzuziehen. Sah schick aus. Vielleicht meine zukünftige Sonntags-ich-mach-heute-nichts-Garderobe. Alle Unterkünfte hatten eigene Onsen. Japanische Bäder. Eine Wohltat. Jeden Tag auf meinem Programm. So entspannt und schmerzfrei gepilgert.

Am Ziel angekommen. In Katsuura. Zurück in der Zivilisation. Als Krönung wieder in einen Onsen. Auf einer kleinen vorgelagerten Insel. Das Bad direkt am Meer gelegen. Eine wunderschöne Kulisse. Abends die Einheimischen im Restaurant mit meiner Stäbchen-Fingerfertigkeit beeindruckt. Am nächsten Morgen nach Tokio zurückgefahren. Rechtzeitig bevor mein Japan Railpass ausgelaufen war.

Der ganze Pilgerpfad gut ausgeschildert.
Der ganze Pilgerpfad gut ausgeschildert.
Der ganze Pfad durch Bergwälder.
Der Pfad führte meistens durch Bergwälder.
Teilweise bis zu zwei Stunden nur bergauf.
Teilweise bis zu zwei Stunden nur bergauf.
Aussicht auf die 3'600 Bergspitzen des Kumano. Nur im wörtlichen Sinn.
Aussicht auf die 3’600 Bergspitzen des Kumano. Nur im wörtlichen Sinn.
Speisen nach traditioneller Art.
Traditionell Speisen.
Schlafen nach traditioneller Art.
Traditionell Schlafen.
Sich kleiden nach traditioneller Art.
Traditionell Kleiden.

Zum Abschluss in Tokio.
Im Ginza Distrikt. Teure Läden. Gut gekleidete Menschen. Womöglich wohlhabend. Und ich im Backpacker-Kostüm. Fühlte mich leicht fehl am Platz. Auch in meinem Hostel. Nur Geschäftsleute. Meistens nur abends anzutreffen. In gut angeheiterter Stimmung.

Mich mit alten Bekannten getroffen. Den Schweden. Auf der Transsibirischen Route kennengelernt. In Shinjuku das Nachtleben mit ihnen unsicher gemacht. Danach zogen sie weiter. Mit dem Fahrrad.

Eine Theatervorstellung in Ginza besucht. Das traditionelle Kabukiza. Nur in Tokio. Im Ginza Distrikt. Oder Kyoto zu sehen. Alles auf Japanisch. Darum mir ein Untertitel-Gerät geliehen. Konnte der Geschichte folgen. Lustig. Abwechslungsreich. Mit gespielten Instrumenten untermalt. Grosses Kino gewesen.

Die letzten Tage in Tokio. Nagten etwas an meinen Energiereserven. Sich in dieser Grossstadt zu bewegen. Will gelernt sein.

Mein Kapsel-Hotel in Ginza.
Kapsel-Hotel in Ginza.

Mein Eindruck von Japan.
Einen Monat unterwegs gewesen. Anders als alles andere. Was ich bisher kannte. Könnte ein eigener Planet sein. Sehr vielseitig. Tradition und Moderne verschmelzen ineinander. Das Essen fantastisch. Die Japaner sehr höflich. Und nett. Der öffentliche Verkehr pünktlicher als in der Schweiz. Sagt schon alles. Gefühlt alle Orte tragen den UNESCO Weltkulturerbe-Titel. Zu recht. Ganz Japan könnte als UNESCO Weltkulturerbe-Land durchgehen. So einzigartig in meinen Augen. Zum Bereisen einfach. Auch ohne Japanischkenntnisse. Da Hilfsbereitschaft der Einheimischen gross. Fühlte mich jederzeit herzlich willkommen als Reisender. Mit wenigen Ausnahmen. In ein oder zwei Bars in Tokio nicht. Nicht weiter tragisch.

Arigatou ko sai mas (Vielen Dank). Verrücktes Japan. Für die vielen Kuriositäten. Lustigen Begegnungen. Und das tolle Essen. Einfach nur geil. Ich komme wieder. Bestimmt.

Als nächstes.
Zu Besuch bei Heinz und Erin. Freunde in Taiwan. Um Karaokekarriere zu lancieren. Mit Nah-Taifun-Erlebnis. Als nächster Kelly Slater in Bali Wellenreiten. Und auf Tuchfühlung mit einem aktiven Vulkan.

Du kannst es nicht für dich behalten. Weiter erzählen.

Mit der Transsibirischen Eisenbahn bis ans Ende der Welt.

Ein Gedanke.
Quer durch ganz Russland. Das grösste Land der Welt. Auf der Wunschliste von vielen. So auch auf meiner. Ein Freund erzählte mir vor Jahren. Von seinem Transsibirischen Abenteuer. Wahre Räubergeschichten. Seitdem war der Gedanke im Hinterkopf. Irgendwann würde meine Zeit kommen. Nun war es soweit.

Es sollte die klassische Route sein. Von Moskau bis Wladiwostok. Die Transsib. Kurz genannt. Bietet drei Wagenklassen. Alles Schlafwagen. Die erste Klasse. Auch bekannt als Touristenklasse. Die Kupe Klasse. Ein geschlossenes Abteil für vier Personen. Und die Platzkart. Ein offener Wagen. Offene Abteile. Mit Schlafplätzen in den Seitengängen. Zwischen den einzelnen Zügen gibt es Unterschiede. Die zeitgemässen. Auch Firmen-Züge genannt. Beinhalten Klimaanlagen. Und das Interieur ist moderner. Einigermassen. Pro Wagen zwei Toiletten. Und ein Speisewagen pro Zug. Duschen teilweise vorhanden. Eher in modernen Wagen. Jeder Wagen hat zuständiges Personal. Eins bis zwei Personen. Sie sorgen für Ordnung und Sauberkeit. In den meisten Fällen. Geben Bettwäsche heraus. Und Teegläser. Heisses Wasser gibt es kostenlos. Seinen Zielort verpassen ist unmöglich. Dreissig Minuten vor Ankunft. Das Bahnpersonal erinnert jeden persönlich. Oder weckt die Reisenden. Wenn notwendig auch mit dem russischen Charme.

Die ersten Tickets in St. Petersburg direkt am Bahnhof organisiert. Günstigste Option gewesen. Aus Bequemlichkeit zuerst die Tickets online im Visier gehabt. Mich dann überzeugen lassen. Am Bahnhof eine Stunde in der Schlange zu stehen. Zugegeben. Meine Freundin stand in der Schlange. Während ich quengelte. Und ihr die Vorteile des digitalen Zeitalters aufzählte. Warum online alles einfacher wäre. Auch wenn etwas teurer. Nützte alles nichts. Das ist Reisen. So ihre Antwort. Mit Menschen interagieren. Da entstehen Geschichten. Und Abenteuer. Und sie sollte recht behalten.

1. Halt: Kasan.
In Moskau losgefahren. Richtung Kasan. Zwölf Stunden unterwegs gewesen. Über Nacht. Im Platzkart Wagen. Wenn schon Abenteuer. Dann gleich richtig. Mit den Russen. Unsere Plätze. Am Seitendurchgang. Nicht die besten. Da ständig Leute vorbeiliefen. Wollte eine Tasse Tee holen. Verbrannte mir dabei die Finger mit heissen Wasser. Ins Bahnrestaurant geeilt. Kein Eis da. Ein Stück Steak musste herhalten. Dabei ein junges Pärchen kennengelernt. Er ein junger Profigolfer. Und sie seine Freundin. Hatten gleich ein paar gute Tipps für Kasan.

Abends mich mit zwei Russen unterhalten. Arbeiten beide für Gazprom. Waren schon seit zwei Tagen unterwegs. Verriet auch ihr Körpergeruch. Haben mich auf ein paar Gläser Wodka eingeladen. Nach jedem Schluck das Glas mit Fruchtsaft ausgespült. Als Tarnung. Alkohol ist grundsätzlich verboten. In den Schlafwagen. Wegen den guten alten Zeiten. Etwas zu feuchtfröhlich gewesen. Die Leute sonst entspannt. Viele Familien unterwegs. Im Wagen herumlaufen ein Hindernislauf. Überall Füsse. Die hingen aus den zu kleinen Betten heraus. Einige davon mit würziger Duftnote. Trotzdem eine angenehme Fahrt gewesen. Musste in der Fötusstellung schlafen. Da mein Seitenschlafplatz etwas eng. Eher für Menschen unter 170cm konzipiert. Das Aufwachen sehr schön. Der Blick in die Landschaft entspannend. Viele Birken. Die vorbeizogen. Dazu wurde schöne Musik eingespielt. Die erste Fahrt. Ein gelungener Einstieg. In die Transsibirische Welt.

In der Transsibi. Platzkart Wagen.
Im Innenleben der Transsibirischen Eisenbahn. Der Platzkart Wagen.
Tee trinken und abwarten was die Reise bringt.
Tee trinken und Gedanken abschweifen lassen.

In Kasan. Hauptstadt von Tatarstan. Das Zentrum des russischen Islams. Saubere Stadt. Alles schön aufgeräumt. Wirkte teilweise künstlich. Für russische Verhältnisse. Am ersten Tag eine Führung durch Kasans Kreml gemacht. Inklusive Besuch der Kul Scharif Moschee. Zweitgrösste Europas. Beeindruckend. Die Bauman Strasse. Bekannte Einkaufsmeile. Runter gepilgert. Und wieder rauf. Mir einen Haarschnitt verpassen lassen. Mache ich sonst nicht. Nicht im Ausland. Nicht nach dem acht-Euro-Haarschnitt-Desaster in Sarajevo. Ein paar Jahre her. Hatte damals Tränen in den Augen. Keine Freudentränen. In Kasan jedoch glimpflich davon gekommen. Die Dame leistete gute Arbeit.

Am zweiten Tag mit leichter Halskehre aufgewacht. Nicht wegen dem Haarschnitt. Wurde schlimmer. Im Verlaufe des Tages. Konnte den Kopf nicht mehr bewegen. Jede kleine Bewegung. Ein Schmerz. Weiterfahrt mit Transsib erst für spätabends vorgesehen. Daher keine Bettruhe möglich gewesen. Wie ein Baumstamm durch Kasan flaniert. Abends die rettende Idee meiner Freundin. Ein Nagelstudio. Sie die Maniküre. Und Pediküre genossen. Ich nebenan gelegen. Im Massagesessel. Bewegungslos. Mit Schmerzmedikament. Dazu Unterhaltung im TV. Nachricht von Sam. Mit Patrick Swayze. Und Demi Moore. Toller Film. Zwei Stunden später. Der Film vorbei. Die Nägel meiner Freundin erstrahlten im neuen Glanz. Und ich wieder im Vollbesitz meiner Halsmuskulatur. Rechtzeitig vor der nächsten Zugfahrt.

Sicht auf Kasan.
Aussichtspunkt vom Kreml in Kasan. 
Die Kul-Scharif-Moschee in Kasan
Die Kul-Scharif-Moschee in Kasan.

2. Halt: Yekaterinburg.
Diesmal in der Kupe Wagenklasse unterwegs. Ungefähr dreizehn Stunden. Dafür keine moderne Eisenbahn gewesen. Keine Klimaanlage. War nicht tragisch. Hatten die oberen Plätze. Ein Mini-Fenster konnten wir öffnen. Und die Luftzufuhr sicherstellen. Unser persönlicher Wagenverantwortlicher. Hatte es nicht so mit Körperhygiene. Dafür mit Hochprozentigen. Wodka. Hatte ihn in flagranti erwischt. Als ich mir eine Teetasse holen wollte. Er machte kein Geheimnis daraus. Versuchte nichts zu vertuschen. Reichte mir eine Teetasse. Und widmete sich wieder seinem Freund. Und dem Wodka. Die Nacht im Zug entspannt. Unsere Abteilungsgenossen angenehm. Sehr gut geschlafen. Da Bett grösser. Und mehr Beinfreiheit. Das Ruckeln der Bahn hatte etwas einschläferndes. So in den Schlaf gewiegelt worden. Beim Aufwachen mich in die Landschaft vertieft. Unendliche Weiten von Wäldern. Und Feldern. Ein unbeschreibliches Gefühl. Hatte etwas meditatives. Obwohl streng genommen. Nur eine Zugfahrt gewesen. Nicht für mich. War mehr als das. Ein Gefühl der Freiheit.

In Yekaterinburg. Eine grosse Industrie- und Universitätsstadt. Mit russischen Charme. Und natürlich Sowjetarchitektur. Die letzte Zarenfamilie. Die Romanovs. Fanden hier ihre letzte Ruhe. 1918. Unfreiwillig. Und Boris Jelzin. Erster Präsident Russlands nach der Sowjet-Ära. Verbrachte seine Studentenjahre in Yekaterinburg. Ein Museum wurde ihm sogar gewidmet. Obwohl bei den Einheimischen seine Präsidentenrolle umstritten ist. Hatte massgeblich zum Ende der Sowjetzeit beigetragen. Und die meisten Russen. Ungefähr 55%. Möchten die guten alten Sowjetverhältnisse zurück. Wollten nie etwas anderes.

Machten eine unfreiwillige Sightseeing Tour mit Ubertaxi. Da unser Hostel irgendwo im Nirgendwo. Am Rande der Stadt. Siedelten uns selber wieder um. Da Unterkunft keine Registrierung bei der Polizei machen wollte. Die in jedem neuen Ort eine Pflichtübung war. Die persönlichen Behördengänge erschienen uns zu abenteuerlich. Darum in ein zentral gelegenes Hotel gewechselt. Ohne Frühstück. Dafür mit Registrierungsgarantie. Abends im Steakhouse gegessen. Ein Russisches Lokal. Diente eher als eine Art Chinesisches Exil. Die Speisekarte jedoch nicht so exotisch. Keine Vierbeiner-Gulaschsuppe. Oder Ähnliches. Am nächsten Tag vor Abreise uns einen trockenen Sushi Gaumenschmaus gegönnt. Laut TripAdvisor das beste Sushi Haus der Stadt. Mit fünf von fünf Sternen. Drei Sterne weniger. Und das Sushi hätte uns besser geschmeckt. Vielleicht. Da Erwartungshaltung nicht so gross gewesen wäre.

Alte russische Autos in Jekaterinburg.
Der gute alte Lada. Nicht nur in Yekaterinburg anzutreffen.

3. Halt: Novosibirsk.
In der Kupe Wagenklasse. Zweiundzwanzig Stunden. Die Bahn wieder etwas älter. Keine Klimaanlagen. Sind durch die Platzkart Wagen gelaufen. Wäre definitiv eine Herausforderung gewesen. Da extrem stickig. Und stinkig. Zum ersten Mal Im Speisewagen gegessen. Borschtsch Suppe. Russische Spezialität. Köstlich gewesen. Und preiswert. Die weiteren Mahlzeiten selber zubereitet. Mit Salami. Brot. Käse. Paar Kekse. Und Wodka natürlich. Hatten unseren russischen Abteilgenossen eingeladen. Auf einen Schluck. Der trank jedoch keinen Alkohol. Kam mir etwas spanisch vor. Später gelesen. Sei eine höfliche Form der Absage. Besser sich temporär als Nichtalkoholiker ausweisen. Als einfach eine Wodka-Einladung auszuschlagen. Wieder etwas gelernt. Mich ins Tagebuch vertieft. Aus dem Fenster geschaut. Die Gedanken einfach ins Leere laufen lassen. Entschleunigung pur. Mit Freundin. Uns gegenseitig vorgelesen. Aus dem russischen Kulturschockführer. Danach darüber debattiert. Uns mit den Abteilgenossen unterhalten. Die wechselten zwischendurch. Die Transsib legte viele Stopps ein. Einige kurz. Für wenige Minuten. Andere dann länger. Dreissig Minuten. Diese nutzten wir um die Muskulatur etwas aufzulockern. Und Süsses von den Babuschkas (Grossmütter) am Bahnsteg zu kaufen. Und so vergingen die Stunden. Letztendlich wie im Flug.

In Novosibirsk. Drittgrösste Stadt Russlands. Die Grösste in Sibirien. Entwickelte sich vom Dorf zur Millionenstadt. Dank der Transsibirischen Linie. Tief in der asiatischen Hälfte gelegen. Das Menschenbild jedoch nicht asiatisch geprägt. Wieder eine russische Grossstadt. Doch anders als Yekaterinburg. Das Stadtbild sympathischer. So der erste Eindruck. Hatte kulturell einiges zu bieten. Unter anderem das grösste. Und modernste Opernhaus Russlands. Konnten wir leider nicht besuchen. Hätte sicher überteuerte Tickets organisieren können. Unsere Ankunft jedoch zu spät. Und unsere Abreise am Folgetag zu früh. Daher die kulturellen Aktivitäten auf das Nachtleben beschränkt. Eine hippe Bar gefunden. Die Leute herausgeputzt. Wir auch. Die Getränke gut. Und günstig. Durchschnittlich fünf Franken pro Cocktail. In der Schweiz gab es früher Fünfliber-Abende. Jedes Getränk für fünf Franken. Nur das ganze ohne Stil. Und Klasse. Und das Publikum sehr jung. Nicht jedoch in Novosibirsk. Neben der Bar nichts aufregendes gefunden. Ausser einen Club für spät-pubertierende. Etwas zu jung. Und laut. Darum gekonnt ausgelassen. Und ohne Kater am nächsten Morgen aufgewacht.

Nachtleben in Novosibirsk.
Auf Entdeckungstour. Das Nachtleben in Novosibirsk.

4. Halt: Krasnoyarsk.
Zwölf Stundenfahrt. Wieder über Nacht. In der Platzkart Klasse. Unter den Normalsterblichen. Zur Abwechslung im modernen Schlafwagen. Zwei ältere Damen in unserem Abteil. Während Abendessen ihnen einen Schluck Wodka angeboten. Sie lehnten dankend ab. Uns trotzdem gut mit ihnen unterhalten. Beide in spannenden beruflichen Funktionen. Die eine Polizistin. Und die andere eine Babuschka. Arbeitete während Sowjet-Ära für das Militär. In der Abteilung für geheime Informationen. Mehr wollte sie nicht verraten. Leider.

In Krasnoyarsk. Das geografische Zentrum Russlands. Beim Blick auf die Karte mir bewusst geworden. Welche Distanz wir zurückgelegt hatten. Dazu mehrere Zeitzonen durchquert. Die innere Uhr dadurch leicht irritiert gewesen.

An der schönen Flusspromenade die Sonne genossen. Schweizer Pärchen angetroffen. Er Schweizer. Sie Russin. Unterhaltsame Begegnung. Hatten mit ihnen zu Mittag gegessen. Spontan. Das Wort Voilà. Ihr Lieblingswort. Hatten sie zu jeden Satzanfang. Und Satzende ausgesprochen. Konnte mich nicht auf den Gesprächsinhalt konzentrieren. Musste mitzählen. Nach einer Stunde. Und gefühlten hunderttausend Voilà’s später. Uns verabschiedet. Per Zufall in einen Vergnügungspark gelaufen. Wollten etwas wild sein. Und sind auf die erste Bahn. Drehte sich nur im Kreis. Mein Magen drehte sich entsprechend auch. Das Essen wollte wieder raus. Starke Konzentration verhinderte das Schlimmste. Nach der kleinen Rummelfahrt. Auch Schwindelgefühl. Nur im Kreis ist nichts für mich. Nicht mehr. Meine Freundin hatte deutlich mehr Spass. Ohne Nebenwirkungen. Der Tagesaufenthalt in Krasnoyarsk damit vorbei. Am Abend ging es weiter. In gewohnter Manier. Nachts. Über den Schienenweg.

5. Halt: Irkutsk.
Siebzehn Stundenfahrt. Weiteres Mal in der Platzkart Klasse. Moderner Wagen. Eine nette Russische Familie im gleichen Abteil. Mutter und Sohn. Sowie die Babuschka. Alles entspannt. Bis die Nacht einbrach. Und das Schnarchen unter mir. Meinen Schlaf unterbrach. Ohrstöpsel. Kopfhörer mit Funktion zur Unterdrückung der Himtergrundgeräsuche. Schäfchen zählen. Nützte alles nichts. Die Babuschka. Liess ihrem Atemfluss freien Lauf. Und wie. Sehr laut. Mit zwischenzeitlichen Atemaussetzern. Brachte meine  Atmung durcheinander. Kam selber kurzzeitig in Atemnot. Durch das blosse Zuhören ihres Schnarchens. Das Leid mit der Freundin geteilt. Stundenlang über Gott. Und die Welt ausgetauscht. Bis zum Morgengrauen. Unausgeschlafen in Irkutsk angekommen. Gehört alles dazu. Zum Transsibirischen Abenteuer.

In Irkutsk. Ein Verkehrsknotenpunkt. Nahe am Baikalsee. 1’642 Meter tief. Wie kein anderer. Und 25 Millionen Jahre alt. Der älteste Süsswassersee der Welt. Somit die Lage von Irkutsk für alle Transsib Reisenden Interessant. Da viele Touren zum See organisiert werden. Der Ort selber nicht typisch russisch. Der Sowjetische Plattenbaustil zwar präsent. Aber nicht dominant. Viele Holzhäuser. Verleihen dem Ort einen eigenen Charme. Dazu verwinkelte Gassen. Eine Nacht hier verbracht. Bevor es Richtung Baikalsee weiterging.

Auf dem Baikalsee. Die Insel Olchon.
Im Kleinbus unterwegs. Unser Fahrer. Im früheren Leben ein Formel 1 Pilot gewesen. Oder mit Bleifluss auf die Welt gekommen. Kannte alle Schlaglöcher. Liess trotzdem keines aus. Überholte alles. Viele Kühe auf der Strasse. Diese umkurvte er mirakulös. Demonstrierte auch Vollbremsungen. Ein paar Mal. Hatte aber alles im Griff. Ohne Zweifel. Sicherheitsgurte inexistent. Ausser beim Fahrer. Welcher sich trotzdem nicht anschnallte. Ich bete selten. Diese Fahrt jedoch. Entlockte mir mehrere Stossgebete. Und Versprechen. Ich würde ab sofort ein besserer Mensch sein. Wollte nur heil ankommen. Alles gut gegangen. Werde mein Versprechen halten. So gut es geht.

Die Insel. Wirkte beim ersten Anblick etwas kahl. Kaum Bäume. Uns in Khuzhir einquartiert. Für drei Nächte. Die Gastgeberin. Eine nette russische Mama. Hegte und pflege alles liebevoll. Bei Ankunft. Das Wetter sonnig. Und warm. Darum gleich zum Strand gepilgert. Da war er nun. Der grosse Baikalsee. Kristallklar. Der Wellengang erinnerte eher an ein Meer. Egal. Wir rein gesprungen. Gut. Zuerst die Wassertemperatur kurz gefühlt. Mit dem kleinen Zeh. Etwas kalt. Ganze 15 Sekunden gebadet. Mehr Kälteschocktherapie ging nicht. Die Taucherbrille und den Schnorchel dabei gehabt. Letztendlich. Mehr zur Dekoration unseres Strandplätzchen. Nur wenige Menschen richtig am Baden. Alles Russen. Etwas kälteresistenter als wir.

Erster Eindruck von Olchon.
Erster Eindruck von Olchon.

Am nächsten Tag die Gegend erkundet. Khuzhir. Kein schöner Ort. Dafür mit ein paar spektakulären Aussichtspunkten. Auf den Baikalsee. Und die beste Infrastruktur. Mit Unterkünften. Restaurants und Supermärkten. Einen anderen Strand entdeckt. Interessante Bildszenerie. Einige am Campen. Wenige Strandgäste. Und niemand im Wasser. Ausser den Hunden. Die bewegten sich herrenlos. Jagten den Möwen hinterher. Sehr zahme Inselhunde. Sonnenbrände. Weit verbreitet unter den Touristen. Hatte mich lustig über sie gemacht. Erwischte auch einen leichten. Die Sonnenstrahlung sehr stark. Kannte kein Erbarmen. Auch nicht beim bewölkten Himmel.

Aussichtspunkt in Khuzhirn
Aussichtspunkt in Khuzhir.
Sonnenuntergang in Khuzhir.
Sonnenuntergang in Khuzhir.
Nur die Hunde trauten sich ins Wasser.
Nur die Hunde trauten sich ins Wasser.

Eine Tagesexkursion gemacht. Rund um die Insel. Die Fahrt etwas holprig gewesen. Unser Kleinbus. Hatte die besten Jahre schon hinter sich. Den schlechtesten Sitzplatz erwischt. Ein richtiger Schleudersitz. Kein Problem. Da coole Leute im Bus waren. Haben die Plätze nach jedem Halt getauscht. Alle so in den Genuss gekommen. Den Schleudersitz probe zu sitzen. Oder fahren. Unser Fahrer. War auch der Guide. Konnte nur Russisch. Schluckte fast jedes Wort runter. Ich verstand nichts. Zum Glück ein russisches Pärchen unter uns. Er konnte ausreichend Englisch. Und übersetzte alles. An sechs Orten halt gemacht. Die Gegenden erkundet. Die schöne Natur genossen. Mit bester Sicht auf den Baikalsee. Fast jeder Felsen hatte eine Geschichte. Abergläubisch angehaucht. Sehr spannend. Viele andere Touristen unterwegs gewesen. Waren überall im Bild. Trotzdem eine schöner Ausflug. Verstand danach. Warum der Baikalsee. Und die Insel Olchon. Nicht ausgelassen werden dürfen.

Während der Exkursion verrückte Geschichte gehört. Von mitfahrenden Amerikanern. Eine Dame und zwei Herren. Alle ende zwanzig. Hatten sich zwei Pferde in der Mongolei gekauft. Und wollten zu Fuss mit den Pferden durch die Mongolei. Wurden nach zwei Wochen von Feuerwehrleuten gerettet. Aus einem Nationalpark. Da ein Waldbrand wütete. Der Zugang zum Nationalpark somit verboten gewesen. Wussten die Abenteurer aber nicht. Die Polizei. Und Feuerwehr. Bekannt als Freunde und Helfer. Versuchten ihnen die Verantwortung der Brandstiftung zuzuschieben. Ihr Bekannter. Ein Mongole. Holte sie aus der Situation raus. Mit Schmiergeld und kleinen Geschenken. Etwas naiv gewesen. Meinten sie im Nachhinein. Meine Verwunderung. Wie kommt man auf die Idee. Sich einfach zwei Pferde zu kaufen. Und ein unbekanntes Land zu bereisen. Echte Abenteurer halt.

Im Norden von Olchon. Blick auf den Baikalnebel. Das Resultat von niedriger Wasser- und hoher Lufttemperaturen.
Im Norden von Olchon. Blick auf den Baikalnebel. Das Resultat von niedriger Wasser- und hoher Lufttemperatur.
Sie sind überall.
Sie sind überall.

Am Tag danach einen Reitausflug gemacht. Mit echten Pferden. Eine Stunde lang im Sattel. War anfangs leicht nervös. Mir im Kopf schon das schlimmste Szenario ausgemalt. Pferd im Galopp am Durchstarten. Mein Lösungsansatz. Mit einem eleganten Ninja-Seitwärtssprung vom Ross die Situation entschärfen. War vorbereitet. Für den Ernstfall. Die Realität. Das Pferdchen am Traben. Brav hinter den anderen. Zwei Schnecken hatten uns überholt. Und uns ausgelacht. Der Ritt erinnerte mich an die Automaten für Kinder. Eine Münze einwerfen. Und das Auto oder Pferd schaukelt los. So war es auch bei uns.

Ein fast dynamischer Reitausflug.
Ein fast dynamischer Reitausflug.

Letzter Abend in Olchon. Die Überreste der Wodka-Flasche mit anderen Gästen geteilt. Vier Damen. Die Gastgeberin. Meine Freundin. Und ich. Wir wurden gemästet. Mit Fleisch. Gurken. Tomaten. Und Brot. Ist normal bei den Russen. Man kommt nicht davon. Ohne zu essen. Oder trinken. Interessante Gespräche gehabt. In Deutsch. Spanisch. Und natürlich Russisch. Mindestens zwei Personen. Die eine zweite Sprache beherrschten. Am nächsten Tag früh aufgestanden. Wieder ohne Kater. Die herzlichen Damen extra aufgestanden. Nur um uns zu verabschieden.

Bolshie Koti. Eine Oase am Baikalsee.
Von Olchon zurück nach Irkutsk. Anschliessend den Bus genommen. Bis nach Listwjanka. Ein bekanntes Dorf. Am Westufer des Baikalsees. Kein schöner Fleck. Um zu verweilen. Wussten wir schon vorher. Da Freundin akribisch recherchiert hatte. Fantastische Reiseleiterin. Darum nach Bolshie Koti gefahren. Ein Dörfchen nebenan. Zwanzig Kilometer entfernt. Nur zu Fuss erreichbar. Sechs Stunden. Über schönen Wanderpfad. Am See entlang. Oder mit Boot. Wir bevorzugten die letztere Variante.

In Bolshie Koti. Ein kleines Dörfchen. Mit sechzig Einwohnern. Bei den Touristen beliebt. Viele davon anzutreffen. Jedoch nicht überlaufen. Unsere Unterkunft. Eine Art Meditationszentrum. Fühlten uns nicht wohl. Komische Stimmung in der Luft. Darum am gleichen Tag eine andere Unterkunft gefunden. Dank der Hilfe einer Einheimischen. Die Atmosphäre am neuen Ort angenehm. Die Hausherrin liebte es zu Kochen. Mit viel Salz. Sehr viel Salz.

Der alte Steg.
Ein alter Steg.
Unsere Unterkunft in Bolshie Koti.
Unsere Unterkunft in Bolshie Koti.

Am zweiten Tag eine Wanderung gemacht. Vier Kilometer nördlich. Alles am See entlang. Auf dem Weg kurz gehalten. Bei einem Aussichtspunkt. Aus dem Nichts vier Pferde aufgetaucht. Zwei Rappen. Und zwei Schimmel. Trabten den Wanderweg entlang. Ein magischer Moment. Surreale Szene. Ein Gefühl der Freiheit kam auf. Später wieder auf die Pferde gestossen. Eine ganze Herde. Graste an einem Campingplatz. Das Ziel unserer Wanderung. Kap Skriper. Im Teil eines Nationalparks gelegen. Und bot eine atemberaubende Aussicht. Auf den Baikalsee.

Am Abend ein kroatisches Pärchen kennengelernt. Hatten die ganze Strecke mit ihrem Motorrad zurückgelegt. Verrückt. Muss ich auch mal machen.

Ein Guesthouse direkt am Baikalsee.
Ein Gasthaus direkt am Baikalsee.
Die Herde beim Mittagessen.
Die Herde beim Mittagessen.
Aussicht vom Kap Scriper.
Aussicht vom Kap Skriper.

Am dritten Tag eine längere Wanderung gemacht. Den Fussweg nach Listwjanka. Über zweiundzwanzig Kilometer. Das Wetter unschön. Petrus nicht in guter Stimmung gewesen. Nieselregen. Dafür keine anderen Touristen. Die Landschaft bezaubernd. Um die Natur maximal zu geniessen. War minimale Kommunikation Voraussetzung. Also gönnten wir uns eine fünfstündige Redepause. Kann ich jedem empfehlen. Die Wanderung. Ein einziger Höhepunkt. Und das volle fünf Stunden lang.

In Listwjanka zu Abend gegessen. Ein Schweizer Pärchen kennengelernt. Hatten von Japan geschwärmt. Neuer Reisegedanke somit im Hinterkopf platziert. Mit Boot zurück nach Bolshie Koti gefahren.

Wanderweg nach Listwjanka. Teilstrecke des Great Baikal Trails.
Wanderweg nach Listwjanka. Teilstrecke des Great Baikal Trails.
Grösster Teil der Wanderstrecke führt am See entlang.
Grösster Teil der Wanderstrecke führt am See entlang.

Letzten Tag. Nur Regen. Ohne Unterbruch. Die Zeit mit gegenseitigen Vorlesen verbracht. Den Kulturschockführer hatten wir durch. Danach mit Boot direkt nach Irkutsk.
Am nächsten Tag. Meine Freundin. Und beste Reiseleiterin. Verabschiedet. Herzschmerz. Sie war weg. Vorerst. Und ich wieder allein. Allein.

6. Halt: Ulan Ude.
Die kürzeste Fahrt. Dauerte nur sechs Stunden. In der Platzkart Klasse. Moderner Wagen. Die Strecke hatte einen Höhepunkt. Die Bahnlinie führte am Baikalsee entlang. Phasenweise. Und bescherte eine exklusive Aussicht. Im gleichen Abteil. Zwei Schweden. Vater und Sohn. Coole Jungs. Wollen mit Fahrrädern die Ostküste Russlands runterfahren. Bis nach Japan. Und dann Richtung Vietnam. Im gleichen Abteil. Ein Berg von einem Mann. Junger Typ. Sehr freundlich. Konnte ein bisschen Englisch. Ein ehemaliger Kugelstosser. Nahm an den Olympischen Spielen teil. 2012 in London. Das spannendste an der Transsib. Die Begegnungen mit anderen Reisenden.

Begegnungen in der Transsib. Mit einem Olympioniken. Und zwei Schweden.
Begegnungen in der Transsib. Mit einem Olympioniken. Und zwei Schweden.
Fahrt mit Aussicht auf den Baikalsee.
Fahrt mit Aussicht auf den Baikalsee.

In Ulan-Ude. Nahe am Ostufer des Baikalsees. Das Menschenbild asiatisch. Von Mongolen geprägt. Wie der Ortsname verrät. Ein weiterer Verkehrsknotenpunkt. Der Transsibirischen. Und Transmongolischen Eisenbahn. Die letztere führt bis nach Peking. Zudem weitere Touren an den Baikalsee möglich. An das Ostufer.

Die zweitbesten Momos gegessen. Tibetische Teigtaschen. Die besten gibt es in Zürich. Bei einem Freund. Den grössten Leninkopf gesehen. Gut. Den kann man nicht übersehen. Das Wahrzeichen von Ulan-Ude. Generell ist Lenin omnipräsent in Russland. In jedem Ort. Eine Leninstrasse. Leninplatz. Lenin Metrostation. Oder Leninstatue. Oder alles zusammen.

Der grösste Leninkopf der Welt.
Der grösste Leninkopf der Welt.

7. Halt: Khabarovsk.
Die längste Fahrt am Stück. Sechsundfünfzig Stunden. Hatte einen Kupe Platz. Da keine Platzkart mehr verfügbar. Ein älterer Wagen gewesen. Mir das Abteil mit zwei anderen Jungs geteilt. Versuchte ins Gespräch zu kommen. Kam jedoch nicht soweit. Die wollten ihre Ruhe haben. Ich vertiefte mich in mein Tagebuch. Und las ein Buch. Darum spinnen die Japaner. Als Vorbereitung auf meine nächstes Abenteuer. Sehr unterhaltsam geschrieben. Mit viel Inhalt. Über Land und Leute. Bei einem Stopp mir die Beine vertreten. Dabei auf die Schweden getroffen. Hatte ich auf dem Weg nach Ulan-Ude kennengelernt. Mit ihnen in den Speisewagen Bier degustiert. Zwei taubstumme Russen kennengelernt. Junge Typen. Sehr freundlich. War beeindruckt von ihrer Lebensenergie. Und Neugier. Verständigten uns mit Händen und Füssen.

Die sechsundfünfzig Stunden in der Transsib. Phasenweise wie ein Rückzug auf Schienen. Abgeschottet von der Aussenwelt. Meditative Wirkung. Kommt einem Silent Retreat nahe. Mit zwei anderen Meditierenden. Kommunikation mehr durch Gestik und Mimik. Jeder ass. Trank. Schlief. Hörte Musik zwischendurch. Vertiefte sich in eine Lektüre. Oder starrte einfach Löcher in die Luft. Oder aus dem Fenster. Eine schöne Abwechslung gewesen.

In Khabarovsk. Couchsurfing gemacht. Das zweite Mal überhaupt nach Warschau. Vasiliy. Der Gastgeber. Ein Fussballfan. Und Craftbeer Experte. Cooler Typ. Zeigte mir die besten Plätze.

Die Hauptstrasse rauf und runter flaniert. Und entlang der Promenade am Fluss. Die Stadt hatte eine neue Wasserfontäne installiert. Musik und Lichterspektakel inklusive. An einem Abend. Trotz Stromausfalls in der ganzen Region. Die Fontäne lief. Und wie. Menschen rannten durch. Tanzten wie wild. Jung und alt. Alle wurden sie nass. Freude pur. Ich tanzte mit. Aber nur in Gedanken. Meine rationale Seite. Verhinderte einen Einstand als Fontänen-Ballettänzer. Kurzärmelig unterwegs gewesen. Ein leichter Wind wehte. Sah mich schon erkältet in den nächsten Tagen. Oder mit weiterer Halskehre. Darum die Show als Zuschauer genossen. So die Ausrede an meine emotionale Seite.

Spektakuläre Fontäne in Khabarovsk.
Spektakuläre Fontäne in Khabarovsk.

Wieder auf die Schweden getroffen. Mit ihnen eine Banja unsicher gemacht. Nicht so luxuriös gewesen. Wie in Moskau. Essen und Getränke selber mitgebracht. Hatten nur Bier dabei. Die Mahlzeit somit im Getränk. Birkenblätter musste man selber organisieren. Oder vor Ort kaufen. Wussten die Schweden nicht. Ich auch nicht. In Moskau hatte ich mich einfach bedient. Lagen auch haufenweise Birkensträusse herum. War nicht ganz koscher. Im Nachhinein erst herausgefunden. Jeder hat seine eigenen Birkenblätter. Die Schweden sich einen Birkenstrauch geholt. Und das volle Selbstauspeitschungsprogramm durchgezogen. Ich machte mit. Am Ende kam ein Russe zu mir. Der rechtmässige Besitzer des Birkenstrauches. Stellte mich nackt zur Rede. Wortwörtlich. Ich entschuldigte mich. Und kam davon. Ohne blaue Augen. Obwohl. Sich nackt in einer Banja prügeln. Wäre auch eine tolle Geschichte geworden. Vielleicht.

Letzter Halt: Wladiwostok. Das Ender der Welt.
Die letzte Etappe. Kupe Wagenklasse. Modern. War ein Firmenwagen. Mit russischen Pärchen das Abteil geteilt. Älteres Semester. Russische Serie mit ihnen geschaut. Ein schöner. Letzter Abend in der Transsib. Danach eine schlaflose Nacht gehabt. Ohrstöpsel leider nichts genützt. Die Geräuschkulisse. Wie von einem anderen Planeten. Aus allen erdenklichen Körperöffnungen. Entsprechend gesellten sich zum Schlafentzug. Auch ein paar gewürzte Windböen dazu. Erstickungsgefahr herrschte. Ich überlebte. Leicht traumatisiert.

In Moskau einst eingestiegen. 9’288 Kilometer später ausgestiegen. Am Bahnhof von Wladiwostok. Gänsehautstimmung. Erhöhter Puls. War aufgeregt. Wie ein Kleinkind. Einer dieser Momente im Leben. Surreal. Weil solange unterwegs gewesen. Soviel gesehen. Und erlebt. Um jetzt am Ziel angekommen zu sein.

Das Wetter. Erinnerte an St. Petersburg. Nur eine Spur heftiger. Viel Wind. Leichter Regen. Und die Sonne hatte Urlaub. Deutete dies als Zeichen der offiziellen Staatstrauer. Ausgerufen vom russischen Petrus. Er wollte mich im Lande behalten. Und hatte darum den Föhn rausgeholt. Und blies kräftig. Wollte mich so zurück ins Landesinnere befördern.

Angekommen. Am Ende der Welt.
Angekommen. Am Ende der Welt.

In Wladiwostok. Eine Hafenstadt mit Charme. Das Menschenbild wieder mehr russisch. Als asiatisch. Am Hafen ein paar Kriegsschiffe. Markieren die Stärke der Marine. Sehr eindrücklich. Die Landschaft hügelig. Erinnerte irgendwie an San Francisco. Obwohl ich noch nie da war. So musste es in San Francisco sein. Einfach in gross. Zufällige Begegnungen mit Einheimischen. In Taxis. Café’s. Oder Hostels. Sie klangen zufrieden. Mit der wirtschaftlichen Lage. Sei besser als vor fünf Jahren. Der Kreml würde deutlich mehr investieren. Der Fernosten Russlands solle im neuen Glanz erstrahlen. Und ausländische Investoren motivieren. Für Projekte in Forstwirtschaft. Medizin. Fischfang und Infrastruktur. Bin gespannt auf die Entwicklung.

Die vollen drei Tage. Keine Sonne. Die Stimmung trotzdem gut. Auch bei den Russen. Weil Wochenende. Und das V-Rox Festival stand vor der Tür. Wusste gar nichts davon. Per Zufall reingelaufen. Am Nachmittag. Bei den Proben. Drei Tage lang Live-Bands. Rock und Elektro. In Kombination. An der Strandpromenade. Tolle Kulisse. Viele Essensstände. Und noch mehr Menschen.

Am zweiten Abend mich aus der eigenen Komfortzone gewagt. Das Nachtleben erkundet. Alleine. Vorher noch nie gemacht. Mir im Hostel etwas Mut angetrunken. Bier und Wodka. Und Mut zugeredet. Es würde alles gut kommen. Wie im Film. Die Dame an der Rezeption nach Empfehlungen gefragt. Mit einer Liste voller Bars und Clubs bewaffnet. Und natürlich etwas Kleingeld. Ohne Knete keine Fete. Gilt auch für Russland. Ab ins Nachtleben.

Auf dem Weg zum ersten Ziel eine Bar entdeckt. Stand nicht auf meiner Liste. Egal. Sah nach guter Stimmung aus. Ging rein. Erspähte einen freien Platz. An der Bar. Setzte mich. Zwischen zwei Frauen. Und  paar Männer. Bestellte einen Drink. Moscow-Mule. Einen Schluck später. Ich stehend neben der Bar. Mein Platz. War doch nicht frei. Musste ihn abtreten. An eine Dame. Da stand ich. Mitten im Nirgendwo. An der Wand angelehnt. Mit Drink in der Hand. Versuchte entspannt zu bleiben. Cool zu wirken. Immerhin hatten mich nun alle im Blickfeld. Stand sozusagen auf dem Präsentierteller. Hatte einfach nichts zu präsentieren. Mein Platz an der Bar wieder frei geworden. Eroberte ihn wieder. Und damit zurück im Rennen. Die zwei Damen neben mir angesprochen. Konnten gebrochen Englisch. Ich gebrochen Russisch. Dafür ohne Akzent. Fühlte mich gleich wohler. Bin doch sozialer veranlagt als ich dachte. Zumindest wenn alleine im Nachtleben. Kurze Zeit später von zwei Russen angesprochen worden. Hörten mich Englisch sprechen. Fanden sie interessant. Wir unterhielten uns. Über Gott und Russland. Beide verheiratet. Schienen wohlhabend zu sein. Danach mit ihnen weitergezogen. In ein Restaurant. Die Frau des einen Russen gesellte sich dazu. Im Restaurant alle zusammen köstlich gegessen. Jakobsmuschel Salat. Pasta Carbonara. Diverse Häppchen. Champagner. Und Wodka. Anschliessend noch mehr Hochprozentiges zum verdauen. Da waren wir schon gut bedient. Zumindest ich. Weiterging es. In einen Club. Klein aber fein. Meine neuen Freunde. Organisierten kurzerhand einen Tisch mit Lounge. Obwohl nichts mehr frei war. Ein paar andere durften sich dafür umsetzen. Bei uns am Tisch. Und auf dem Tisch. Wurde getanzt. Getrunken. Und dann wieder getanzt. Und noch mehr getrunken. Bis in die Morgenstunden. Was für ein Abend. Die Russen hatten die Spendierhosen an. War den ganzen Abend ihr Gast gewesen. Die erweiterte Komfortzone. Gefiel mir

Am dritten Tag. Die Grenzen meiner Unsterblichkeit gespürt. Jeder Schritt in der Vertikale. Versetzte mir einen Donnerschlag. Direkt  in jede einzelne Hirnzelle. Von Donnergott Thor höchstpersönlich. Mich gegen Nachmittag motiviert die Insel Russki zu erkunden. Eine der längsten Schrägseilbrücken der Welt. Auch diese erinnert an San Francisco. Verbindet die Stadt mit der Insel. Auf der Insel. Ein Park. Kleine Promenade am Meer. Und ein gigantischer Universitätscampus. Mit über 40’000 Studenten. Vier Hochschulen wurden gleich darin untergebracht. Eine Freundin meines Couchsurfing Gastgebers aus Khabarovsk. War zur gleichen Zeit in Wladiwostok gewesen. Und führte mich herum.

Den letzten Abend entspannt ausklingen lassen. Am nächsten Morgen zum Flughafen gefahren. Bei der Ausreise keine Überraschungen. In der Luft. Auf das Land runter geschaut. Die letzten zwei Monate. Im Zeitraffer vorbeiziehen lassen. Ein unvergesslicher Ritt mit der Transsibirischen Eisenbahn.

Mein Eindruck von Russland.
Die Menschen. Sind sehr herzlich. Und meistens hilfsbereit. Es stimmt. Der erste Eindruck ist nicht ihre Stärke. Dafür Gastfreundlichkeit. Machen damit vieles wieder wett. Sobald ihr eiserner Vorhang fällt. In der Regel schnell geschehen. Deutsche Gedichte wurden uns schon rezitiert. Generell. Geduld mitbringen. Da nicht der übliche westliche Standard. Dafür ein Abenteuer.
Ein bisschen Russisch. Erleichtert das Reisen. In Russland. Kyrillisches Alphabet von Vorteil. Leute kennengelernt. Die weder Russisch konnten. Noch das kyrillische Alphabet lesen. Die zwei schwedischen Freunde. Zum Beispiel. Haben sich trotzdem durchgeschlagen. Und es ist wahr. Die russischen Frauen sind attraktiv. Und dazu noch in der Überzahl. Ungefähr zehn Millionen Frauen mehr als Männer. In Russland. Eine Disbalance. Seit dem zweiten Weltkrieg.

Die Natur. Sehr viele Wälder. Birken besonders dominant. Zumindest auf der Transsibirischen Strecke. Trotzdem sehr schön. Besonders die Gegend um den Baikalsee. Im Winter eine ganz andere Welt. Da komplett zugefroren.

Die Städte. St. Petersburg und Moskau. Spielen in eigener Liga. Nicht zu vergleichen mit den anderen Städten. In Russland. Trotzdem. Kasan. Novosibirsk. Khabarovsk. Und Wladiwostok. Ebenfalls einiges zu bieten. Mehr als nur russische Grossstädte.

Spasiba (Danke) Russland. Für die vielen Momente. Voller Freude. Abenteuer. Und spannenden Begegnungen. Mit Mensch und Natur. Ich komme wieder. Ganz sicher.

Als nächstes.
Das Land der aufgehenden Sonne. Bin schon da. Seit zwei Wochen. Und ein paar Tagen. Eine ganz andere Welt. Quickie in der Karaoke Bar. Tägliches Wellnessprogramm für den Allerwertesten. Und ich als letzter Samurai im Baseballstadion. Bald mehr dazu.

Du kannst es nicht für dich behalten. Weiter erzählen.

St. Petersburg, Moskau und Chinesische Weltherrschaft.

In St. Petersburg.
Selbstdisziplin beim Lernen. Hochmotiviert das kyrillische Alphabet studiert. Mehrere Stunden. Danach gleich versucht den ersten Artikel im russischen Playboy zu entziffern. Mit mässigen Erfolg. Zwischendurch die Augen mit dem Bildmaterial gelockert. Bildsprache des Playboy ist universal verständlich. Weitere Leseversuche danach nicht mehr möglich. Bilder sagen mehr als tausend Worte. Diese Worte waren nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen.

Der mündliche Teil. Fiel mir leichter. Liegt an meinen slawischen Wurzeln. Russland macht es zudem einfach. Oder schwer. Je nachdem. Alle Einheimischen sprechen Russisch. Ausnahmslos. Mit etwas Glück ein paar Exoten darunter. Die sprechen Englisch. Ein bisschen. Oder Französisch. Eher bei Frauen verbreitet. Darum. War gezwungen Russisch zu sprechen. Auch wenn nicht im Klartext. Die Russen hatten Freude. An meinem Altrussisch. Das Bosnische Vokabular. Scheinbar mit ein paar uralten Wörtern ausgestattet. Früher. Zur Zeit der Zaren. War diese Ausdrucksweise noch aktuell. So die Russen.
In einer Bar. Nach ein paar Bier mit Freunden die Rechnung bestellt. Natürlich im einwandfreien Russisch. Ohne Akzent. Wollte die Rechnung gleich durch drei geteilt haben. Für meine zwei Freunde. Und mich. Kurz darauf folgten drei Wodka-Shots. Keine Spur von der Rechnung. Anscheinend das Wort Rechnung in Russisch zu hart betont. Shot anstelle von Schooot. Und was ein Shot ist. Das wissen die Russen. Die Wodka-Shots trotzdem genossen. Danach die Rechnung. Sollte generell so sein. Den Gästen immer Shots vor der Rechnung servieren. Die Bezahlung fällt etwas leichter. Die Stimmung bleibt im Hoch.

Über drei Wochen in St. Petersburg. Mit Sprachschule. Museumsbesuchen. Peterhof auskundschaftet. Mich über alle kulturellen Aktivitäten informiert. Tickets organisiert. Für das Mariinsky Theater. Don Quijote. So der Name der Aufführung. In allen möglichen Lokalen gegessen. Und getrunken. Günstig. Teuer. Einfach. Chic. Alles ausprobiert. Bachata Tanzlektionen genommen. Ein Touristenguide mit Hüftschwung. Mit Pep. Das wollte ich ihr bieten. Meiner Freundin. Die ganze Vorbereitung sollte mich ausreichend qualifizieren. Für die anspruchsvolle Aufgabe einer Touristenführung.
Meine Freundin am Flughafen abgeholt. Hatten uns im Hostel verabredet. Eigentlich. Ich überraschte Sie. So bin ich eben. Ein bisschen romantisch veranlagt. Die Freude gross. Alles wie im Märchen. Abends verriet ich ihr den Plan. Einen kleinen Teil davon. Sehr stolz. Was St. Petersburg alles zu bieten hätte. Was ich ihr alles zeigen würde. Am nächsten Tag übernahm sie die Rolle des Touristenguide. Stillschweigend. Nachdem sie erste Schwächen in meiner Führung entdeckt hatte. Zu dynamisch meine Organisation. Für ihren Geschmack. Und sie wusste mehr über die Stadt. Aber nur in der Theorie. Dank einem Selbststudium. Mit YouTube. Wikipedia. Google. Und Lonely Planet. In Vollzeit. Mehrere Monate. Gut. Vielleicht auch nur eine Stunde. Reichte um mich zu überzeugen. Unter ihrer Leitung einiges gemacht. Tsarskoye Selo besucht. Eine Art Dorf. Und Residenz der Zarenfamilie. Wunderschön. Im Eremitage gewesen. Mit Führung. Zum Glück. Ohne geht es nicht. Zu viele Bilder. Und Geschichten dahinter. Zudem überall gespiesen. Mit Unterstützung von TripAdvisor. Und teilweise mir. Da konnte ich wieder auftrumpfen. Erstaunlich viele Georgische Restaurants in St. Petersburg. Ein Gaumenschmaus.

Und mein Bachata Hüftschwung. Überzeugte auf ganzer Linie. Sie war beeindruckt. Zum Glück.

Blutskirche in St. Petersburg
Die Blutskirche in St. Petersburg.
In der Blutskirche
In der Blutskirche. Ich als passiver Touristenguide. Da war die Welt noch in Ordnung.
Schlange vor dem Eremitage
Vor dem Eremitage Winterpalast. Schlange stehen an der Kasse. Obwohl mehrere Ticketautomaten zur Verfügung stehen. Draussen. Die keiner benutzt.
Im Eremitage. Blitzlichtgewitter der Besucher beim Leonardo da Vinci Gemälde. Die Madonna Benois.
Im Eremitage. Blitzlichtgewitter bei Leonardo da Vinci’s Gemälde. Die Madonna Benois.

Mariinsky Theater. Die Vorfreude gross. Weltberühmtes Theater. Die besten Ballettänzer Russlands. Und Don Quijote als Thema der Vorführung. Wir hatten Tickets. Alles sauber organisiert. Und recherchiert. Von mir in Eigenregie. Auf seriöser Internetseite die Tickets gekauft. Von einem Drittanbieter. Da Internetseite von Mariinsky Theater nicht verfügbar war. Nicht auf meinem Handy. Die günstigste Preiskategorie gewählt. Etwas teuer. 150 Euro pro Ticket. Gut. Musste schon richtig sein der Preis. Immerhin. Wir reden vom Mariinsky Theater. Erklärte ich meiner Freundin. Auf ihre Nachfrage. Warum so teuer das Ganze. Die Tickets seien günstiger. Auf offizieller Internetseite des Mariinsky Theaters. Versuchte die Karten umzutauschen. Keine Chance. Keine Reaktion von seriöser Internetseite. Wir gingen trotzdem hin.

Im Theater. Wunderschönes Ambiente. Die Säle im Barockstil. Prunkvoll. Die Besucher adrett gekleidet. Etwas Adel in der Luft. Mittendrin. Meine Freundin. Im heissen Abendkleid. Vielleicht zu kurz für das Mariinsky Ballet. Dafür zu lang für meinen Geschmack. Dazu High Heels. Die Haare schön. Und ich. Im Hemd. Schicke Jeans. Sneakers. Sportliche Eleganz halt. Dazu Föhnfrisur. Unsere Plätze. Die teuersten. Jedoch nicht die schlechtesten. Zu unserer Überraschung. Hatten eine gute Sicht auf die Bühne. Und wollten mehr. In der Pause. Zwischen ersten und zweiten Akt ein Self-Upgrade versucht. Wie Ninjas. Unauffällig. Die freien Plätze erobert. Für zwei Minuten wie Helden gefühlt. Und über bessere Sicht auf die Bühne gefreut. Danach wieder zurück auf die billigen Plätze geschlichen. Unauffällig. Wieder wie Ninjas. Die freien Plätze. Waren doch nicht frei.

Erster. Zweiter. Dritter. Vierter. Fünfter. Und sechster Akt. Alle fantastisch. Applaus vor jedem Akt. Applaus nach jedem Akt. Für die tolle Ballettaufführung. Und zwischendurch Applaus. Für die schönen Figuren der Ballettänzer. Der Schlussapplaus. Eine halbe Stunde lang. Für Tänzer. Dirigent. Und Orchester. Meine Hände taub danach. Noch nie so oft geklatscht. Nicht mal im Fussballstadion. Obwohl da Primaballerinas unter den Fussballern. Sehr viele sogar. Egal. War jeden Rubel wert. Und die tauben Hände danach auch.

Die teuren Tickets. Ständig noch im Hinterkopf. Liessen mir keine Ruhe. Schrieb zwei Mails. Forderte knapp die Hälfte zurück. Drohte mit rechtlichen Konsequenzen. Und russischen Anwalt. Den ich nicht hatte. Mit Erfolg. Paar Tage später. Die geforderte Summe auf meinem Bankkonto gefunden. Danke Universum. Und Don Quijote.

Im Mariinsky Theater
Im Mariinsky Theater. Rechts neben der Dame die vermeintlich freien Plätze.
Don Quijote im Mariinsky Theater
Don Quijote im Mariinsky Theater.

In Moskau.
Etwas wie Charme. Spürte ich sofort nach Ankunft. Lag förmlich in der Luft. Und auf den Strassen. Trotz Baustellen. Sehr vielen Baustellen. Alles wird aufpoliert. Und einiges neu gebaut. Für die Primaballerina Weltmeisterschaft 2018. Auch als Fussball bekannt.

Die ersten Tage zu Gast bei Freunden. Lena und Nikita. Waschechte Moskauer. In den Philippinen kennengelernt. Beim Abendessen. Anfangs Jahr. Freundschaft über Instagram aufrecht erhalten. Mit vielen Likes. Ihr Appartement. In der Moskauer Agglomeration. Für uns ganz alleine gehabt. Bei Ankunft den Kühlschrank gefüllt vorgefunden. Mit russischen Spezialitäten. Schmeckten gut. Besonders die russische Schokolade. Herzliche Gastgeber. Den letzten Abend mit ihnen verbracht. Beim Abendessen. Im Restaurant. Auf Terrasse. Bei Regen und zehn Grad. Mit Wodka kein Problem. Ein Schluck. Dann ein salziges Häppchen. In dieser Reihenfolge. Bis die Flasche leer war. Danach die nächste bestellt. Und getrunken. Ein feuchtfröhlicher Abend gewesen. Bis spät in die Nacht. Ohne Kater am nächsten Tag. Das Geheimnis. Zeitgleich trinken und essen. In kleinen Mengen.

Im Moskauer Hotel. Probleme beim Check-In gehabt. Weil keine Registration der ersten Tage in Moskau. Da zu Gast bei Freunden gewesen. Halt kein Hotel. Oder Hostel. Jede Ankunft in neuer Stadt. Bedeutet neue Registration bei Polizei. Macht in der Regel das Hotel. Keine Registration. Bedeutet Probleme. Mit den Behörden. Nicht lustig. Hatte schon meine Erfahrungen. Unser Freund Nikita. Militär-Rechtsanwalt. Regelte es. Zum Glück. Ohne Konsequenzen für uns. Bis jetzt. Wer weiss. In Russland bleibt alles spannend. Bis zum Schluss.

Wollten Free Walking Tour machen. Kamen zu spät. Versuchten alles. In ein Taxi gesprungen. Zehn Minuten später wieder raus. Am falschen Ort. Keine Spur von einer Free Walking Tour. Dafür zehn-minütiges Sightseeing gehabt. Mit Russischer Führung. In Form des Taxifahrers. Etwas teuer. Der Taxi-Guide hatte Freude. Tagesumsatz in zehn Minuten erreicht.

Wieder im Theater. Jedoch nicht im berühmten Bolshoi. Leider keine Tickets mehr gehabt. Nicht einmal überteuerte. Die finde ich sonst immer. Dafür kleines Theater. Neben dem Bolshoi. Für Normalsterbliche. Das Thema. Cinderella. Eher etwas für Mädchen. Dachte ich. Und so war es. Meine Freundin. Ich. Und Mütter mit ihren kleinen Töchtern. Dennoch. Tolle Aufführung. Alle hatten Freude. Ich auch. Besonders als es vorbei war.

In der Banja. Sauna in russischer Art. Und Manier. Was für ein Erlebnis. Meine Freundin. Und ich. In getrennten Banjas. Klare Geschlechtertrennung vorgeschrieben. Bei den Männern. Die Relaxzone wie in einer Bar. Fussball im TV. Bier auf den Tischen. Und Wodka. Dazu salzige Häppchen. Sehr gesellig das Ganze. Einfach mit nackten Männern. Das Servicepersonal bemüht. Und hilfsbereit. Mir Regeln und Ablauf erklären lassen. Bewaffnet mit Tuch. Banja-Mütze. Und Banja-Schlarpen. Im Schwitzraum gewesen. Ein Mann wurde ausgepeitscht. Mit Birkenblättern. Schmerzverzerrtes Gesicht gemacht. Zur Freude aller anderen rundherum. Sehr amüsant. Mich selber ausgepeitscht. Ohne Hilfe. Gut. Waren eher Streicheleinheiten. Trotzdem. Die Wirkung nicht verfehlt. Bei den Frauen. Ähnlich wie bei den Männern. Nur mit Tee. Und Wasser. Anstelle von Wodka. So meine Freundin.

Der rote Platz
Der Rote Platz. Ist nicht rot.
Salutieren
Salutieren. Auf dem Roten Platz.

St. Petersburg oder Moskau.
Man könne nur eine davon lieben. Entweder kulturelle Hochburg St. Petersburg. Oder dynamisches Moskau. So die Einheimischen. Und viele Touristen. Nicht ich. Mich in beide verliebt.

Zu St. Petersburg eine Liebesbeziehung aufgebaut. Während knapp einem Monat. Jeden Tag besser kennengelernt. Gemütlich. Keine Spur von Hektik. Obwohl alle Strassen stark befahren. Und keine richtigen Fussgängerpassagen in der Stadt. Teilweise kopflastig gewesen. Da kulturelle Überdosis mit Museen. Eine langfristige Beziehung kaum möglich. Der Grund. Das Wetter. Schlimm. Sonnenschein. Heftiger Wind. Regen. Manchmal alles zeitgleich. Oder abwechselnd. Im Abstand von wenigen Minuten.

In Moskau ein paar spannende Nächte verbracht. Sich wie eine Affäre angefühlt. Kurz. Intensiv. Und abwechslungsreich. St. Petersburg weiss nichts davon. Besser so. Moskau bietet beides. Viele Fussgängerzonen. Und stark befahrene Strassen. Zudem etwas mehr Bewegung im Nachtleben. Das Wetter stabiler. So die Moskauer. Diesen Sommer jedoch launisch gewesen. Der Petrus. Wie in St. Petersburg.

Beide Geliebten haben ein fantastisches Metronetz. St. Petersburg künstlerisch angehaucht. Und mit Tiefen von 50 bis 75 Meter. Im Schnitt. Moskau dafür mit über 200 Stationen deutlich grösser. Darunter ein paar historische Schmuckstücke. Wie ein Museum.

Die Frauen attraktiv. In beiden Städten. Morgens. Abends. Und mittags. Bei jedem Wetter. Sexy gekleidet. Teilweise mit Geschmack. Und ohne. Ein Hingucker auf jeden Fall.

St. Petersburg. Moskau. Ich mag sie beide. Komme wieder.

Rolltreppe zur tiefen Metrostation in St. Petersburg.
Rolltreppe zu einer Metrostation in St. Petersburg.
Eine Metrostation in St. Petersburg.
Eine Metrostation in St. Petersburg.
Eine Metrostation in Moskau.
Eine Metrostation in Moskau. Viele Statuen. Haben teils magische Kräfte. Verhelfen zu Reichtum. Gesundheit. Und alles Glück der Welt. Abergläubisch die Russen.
Eine Metrostation in Moskau. Wie ein Museum. Mit Gemälden.
Wie im Museum. Eine Metrostation in Moskau. Mit Gemälden.

Chinesische Weltherrschaft.
Ob St. Petersburg. Oder Moskau. Sie sind überall. Und in Überzahl. Klein. Flink. Wendig. Und laut. In Gruppen strategisch unterwegs. Eroberte Gebiete werden mit Flaggen markiert. In Museen. Kathedralen. Parkanlagen. Vor Statuen. Kein Durchkommen an der Chinesischen Mauer. Kein Foto möglich. Ohne Chinesisches Lächeln. Ich lächelte zurück. Heimlich im Hintergrund. Auf jedem einzelnen Chinesischen Selfie. Zugegeben. Stand ihnen auch oft im Weg. Oder passte nicht in ihr Bildmotiv. Darum oft aufgefordert worden zu gehen. War nicht immer kooperativ. Sie hatten Verständnis. Manchmal.
Trotzdem. Interessant sind sie. Sind selbst zur Touristenattraktion geworden.

Und. Das ist nur der Anfang. Die Chinesische Mittelschicht. 110 Millionen. Habe ich mir sagen lassen. Werden alle unterwegs sein. Oder sind es schon. Wird spannend.

Als Nächstes.
Mit der Transsibirischen Eisenbahn bis ans Ende der Welt.

Du kannst es nicht für dich behalten. Weiter erzählen.

Drei Hauptstädte, ein Umweg und St. Petersburg.

Ich bin dann mal weg.
Acht Jahre geregeltes Leben. In Zürich. In der Werbebranche. Mehr dynamisch geregelt. Ein kreatives Paradies auf Erden. Zeit für ein neues Abenteuer. Die Welt. Sieben Monate rund um den Globus. Kopf lüften. Weitere Gehirnzellen aktivieren. Etwas neues lernen. Neue Leute kennenlernen. Loslassen. Sich einfach freimachen. Kein Selbstfindungstrip. Nein. Bis jetzt nicht. Will einfach die Welt erkunden. Sollte dabei ein neues oder anderes “Ich“ hervorkommen. Rock’n’Roll. Auch gut.

Die Idee.
Mit dem Zug von Zürich bis nach Vladivostok (Russland) reisen. Das Abenteuer “Transsibirische Eisenbahn” erleben. In diversen russischen Städten auf Transsibirischen-Route halt machen. Darum ein Sprachkurs in St. Petersburg. Für die nötige Basis. Um sprachlich in Russland zu überleben. Meine Leber müsste Russland aushalten. Solide Vorbereitung in der Werbebranche gehabt. Von Vorteil zudem meine slawischen Wurzeln. Eine slawische Muttersprache. In meinem Fall Bosnisch. Beste Voraussetzung für alle anderen slawischen Sprachen. Auch für Russisch. Hatte man mir so erzählt.

Bis anfangs September Zeit um in Vladivostok anzukommen. Und aus Russland auszureisen. Danach geht’s weiter. Wohin. Blub. Keine Ahnung. Noch genügend Zeit und Vodka um auf Ideen zu kommen.

1. Halt: Berlin.
Im Nachtzug nach Berlin einen Waldorf-Lehrer kennengelernt. Er unterwegs nach Hamburg. Möchte der Familie seine neue Freundin vorstellen. Eine Französin. Sie hatte ihn in einem spirituellen Seminar aufgerissen. Er ist begeisert von ihr. Da muss was dran sein. Nach 34 Jahren Ehe seine Frau gehen lassen. Für die Französin. Hatte ich so verstanden. Ein interessanter Typ. Wahrscheinlich genau so verrückt wie er aussah.

In Berlin von unterschiedlichen Regenschauer Arten begrüsst worden. Den Tag trotzdem wie ein Berliner gestartet. Mit Tagesspiegel und Cappuccino in einem Café. Meine romantische Vorstellung eines Berliner Morgens. Dank Tipps zweier Kolleginnen bestens auf Berlin vorbereitet. Danke Daniela und Hanja. Burger beim Burgermeister. Mauerhof-Flohmarkt mit feiner Curry-Wurst. Aber leider ohne Karaoke im Amphitheater. Outdoor-Karaoke und Regen mögen sich halt nicht. Die Motivation war gross. Wollte meine Karaoke-Solokarriere mit “Die da” von Fanta4 lancieren. Ein anderes Mal. Das Nachtleben solid geplant. Aber leider verschlafen. Ein anderes Mal. Die grosse alternative und hippe Szene mag ich. Viele Menschen laufen auf offener Strasse mit Bier rum. Auch das mag ich. Im Park Joggen gewesen. Und fast verdurstet. Einfach zu wenig Brunnen in Berlin. Fühlte mich die drei Tage wohl. Komme gerne wieder.. Cooles Berlin.

Mit Tagesspiegel und Cappucino in den Berlinermorgen gestartet

2. Halt: Warschau.
Im Zug nach Krakau einen Künstler kennengelernt. Abstrakte Kunst. Zu abstrakt für mich. Aber keine brotlose Kunst. Er hat es geschafft. Interessanter Typ. Der Daniel.

Warum Warschau und nicht Krakau. Die meiste Frage nach meiner Antwort auf das nächste Reiseziel. Auch von Sebastian. Liegt nicht auf meiner Reiseroute. Darum. Erste Couchsurfing-Erfahrung in Warschau gemacht. Bei Andrzej. Ein cooler Typ aus der Ukraine. Abends mit ihm im Gym trainiert. Und Tatar gegessen. Sehr lecker. Auch polnisches Bier mit Sirup aus Strohalm getrunken. Gewöhnungsbedürftig. Nicht mein Ding. Schöne Altstadt gesehen. Viel gelaufen die drei Tage. Das nächste Mal dann Krakau.

Polnisches Tatar.

3. Halt: Minsk.
Im Nachtzug nach Minsk im kleinsten Abteil der Welt verbracht. Wir. Drei Männer. Alle über 180cm gross. Der ältere Herr konnte das Abteil wechseln. Glücklicherweise. Grosse Schnarchnase. Drei Abteile zwischen uns und ihm. Unser Abteil bebte bei jedem seiner Atemzüge. Aufregender Grenzübergang nach Weissrussland. Da mein Visa noch nicht gültig. Zum Zeitpunkt der Grenzüberschreitung. Erst einen Tag später. 20 Minuten fehlten noch. Für die Grenzpolizei kein Problem. Glück gehabt. Beamtin scannte mein Gesicht drei Mal. Durchblätterte meinen Pass drei Mal. Alles ok. Stempel drauf. Weiter gings zu den Zugmonteuren. Zug-Unterteil wurde ausgetauscht. Für den (weiss-)russischen Schienenverkehr. Spannend. Laut. Ganzer Wagon wackelte. Eine schlaflose Nacht.

Schlafabteil im Zug nach Minsk.

Morgenfrüh Ankunft in Minsk. Unausgeschlafen. Konnte nichts lesen. Alles auf Kyrillisch. Bis auf die Exit-Schilder am Hauptbahnhof. Konnte die Sprache nicht verstehen. Der kommunistische Sowjet-Charme lag in der Luft. Hatte 10% Akku auf dem Phone. Hostel 30min entfernt. Wettlauf gegen den Akku zum Glück gewonnen. Mit Fahrrad Minsk erkundet. Da ist ein Fluss. Die Swislatsch. Sie wirkt wie ein See. Statisch. Riesige Parkanlage um die Swislatsch. So gross wie Zürich. Und ein Toilettenhäuschen mit Bedienung. Ein verbreitetes Businessmodell in Weissrussland. Beim Joggen im Park nicht ins Toilettenhäuschen gekommen. Kein Geld dabei gehabt. Überall Sitzbänke und Kübel im Park. Alles sauber. Alle Kübel aber leer. Unterführungen in der Stadt sind voller alter Damen. Verkauften allerlei Sachen. Sozusagen Unterführungs-Märkte. Die Gebäude sind gross. Die Strassen sind gross. Sowjet-Architektur. Sehr eindrücklich. Mir gefällt es irgendwie. In Restaurants wird überall geraucht. Einfach eine andere Welt. Das Partyleben existiert. Wurde jedoch nicht erkundet. Von mir.

Anzeigetafel im Hauptbahnhof Minsk.

Mini-Markt in Unterführung von Minsk.

Seit anfangs 2017 kann man über den Flughafen Minsk visumfrei nach Weissrussland einreisen. Für fünf Tage. Nur über den Flughafen Minsk erlaubt. Nur wenn nicht weiter nach Russland gereist wird. Oder von Russland eingereist wird. Sonst Visa oder Transitvisa nötig. Wie in meinem Fall.

4. Halt: St. Petersburg. Nein, doch nicht. Irgendwo in Russland.
In Minsk in Zug nach St. Petersburg eingestiegen. Zugbillet und Passport durch Schaffnerin kontrolliert worden. Alles gut. Los gings. Im Nachtzug nach St. Petersburg. Alles fantastisch. Gehobenes 2. Klassabteil. Frühstück für den nächsten Morgen bestellt. Nette ältere Dame im gleichen Abteil. Schöne Landschaften. Sonnenuntergang. Ich am Buch lesen. Tee trinken. Alles wie im Märchen. So geht Reisen.

Zwei Uhr morgens. Ich im Tiefschlaf. Knock knock an der Tür. Zwei Militärpolizisten und die Schaffnerin. Passport Check. Muss all meine Sachen packen. Diese würden an der nächsten Station kontrolliert werden. Soviel habe ich verstanden. Komisches Prozedere. Aber ist halt Russland. Wurde vorgewarnt. Sei nicht so lustig. Der Grenzübergang. Werde zum Wagonführer ins Zimmer gebracht. Da warte ich mit der Schaffnerin 20min bis der Zug anhält. Irgendwo eine Stunde nach der russischen Grenze. Warum sind wir schon mitten in Russland. Fragte ich mich. Die Schaffnerin versprach mir das Frühstück 30min vor Ankunft in St. Petersburg zu bringen. Ich stieg aus. Draussen drei andere Reisende. Ein Amerikanisch/Australisches Pärchen. Mit viel Gepäck. Und ein Mann aus Aserbaidschan. Mit einer kleinen Tragtasche. Trug eine Sonnenbrille. Es war Nacht. Jedem das seine. Man brachte uns in einen anderen Zug. Der fuhr in die Gegenrichtung. Wieder zurück nach Weissrussland. Hmmm. Komische Gepäckkontrolle. Das Pärchen klärte mich auf. Auf unserer Zugstrecke gab es keine Passkontrolle. Nur russische und weissrussische Staatsangehörige waren erlaubt. War also illegal in Russland eingereist. Aus Versehen.

Warum wurde mir ein Zugticket für diesen Zug verkauft. Warum konnte ich in diesen Zug einsteigen. Das waren die ersten Gedanken. Keine Antworten darauf. Die Militärpolizisten sprachen Russisch. Einer von ihnen ein bisschen Spanisch. Das Pärchen sprach auch etwas Spanisch. Zum Glück. War die einzig mögliche Kommunikation. Der Mann aus Aserbaidschan sprach Russisch. Und Aserbaidschan-Türkisch. Das half aber nicht weiter.
Vom Bahnhof irgendwo in Russland zum Militärstützpunkt gebracht worden. Mit Militärwagen. Nahe Grenze zu Weissrussland. In einem Raum untergebracht worden. Ohne Fenster. Voller Moskitos. Da sassen wir. Vier Reisende. Für die nächsten knapp vier Stunden. Surreale Momente. Aufgeregtheit. Irgendwie im positiven Sinne. Trotz allem. Was kommt als nächstes. Fragten wir uns.
Mussten ein paar Formulare ausfüllen. 50-seitiges Dokument auf Kyrillisch zum Unterschreiben vorgelegt bekommen. Plus eine Busse von 2’000 Rubel. Knapp CHF 33.00. Innerhalb von zehn Tagen zu bezahlen. Ein Schuldeingeständnis für die illegale Einreise wahrscheinlich. Dokument zehnfach unterschrieben. Ein schriftliches Ja damit zur Busse gegeben. Egal. Hauptsache weg von da.

Unser Militärtaxi.

Einreise via Weissrussland wurde uns verboten. Kam mir etwas spanisch vor. Egal. Wurden an der weissrussischen Grenze ausgesetzt. Man hat uns den Umweg über Vitebsk (Weissrussland) und Riga (Lettland) empfohlen. Wir folgten der Empfehlung. Taxi nach Vitebsk genommen. Herr aus Aserbaidschan nahm Bus zurück nach Minsk. Hatte kein Visa für Lettland. Pärchen und ich warteten vier Stunden am Busbahnhof Vitebsk. Buchten Anschlussflug von Riga nach St. Petersburg. Dann mit Bus nach Riga. Zehn Stundenfahrt. Aufregung bei Ausreise aus Weissrussland. Visa von Pärchen war abgelaufen. Meines zum Glück nicht. Eine Stunde Diskussion mit Grenzbeamten. Viel Papierkram. Eine offizielle Verwarnung für Weissrussland. Als Abschiedsgeschenk für sie. Danach durften sie wieder in den Bus zurück. Rechtzeitig. Kurz vor Aufstand der anderen Passagiere im Bus.

In Riga am Busbahnhof angekommen. Hatten Verspätung wegen der Weissrusslandausreise. Mussten aber zum Flughafen. Und zwar schnell. In 30min war die Gepäckabgabe geschlossen. Den Busfahrer überredet uns zum Flugfahren zu fahren. Ein verlängerter Arbeitstag für ihn. Er war nicht glücklich. Machte es aber trotzdem. Das machte uns wiederum glücklich. Rechtzeitig am Flughafen angekommen. In Flieger gestiegen.

Vor dem Flug von Riga nach St. Petersburg.

Was für ein Tag. Suchte das Abenteuer. Wollte das Abenteuer. Darum Russland. Bekam das Abenteuer. Unerwartet. Eine Erfahrung mehr. Am Ende alles cool. Danke Universum.

5. Halt: St. Petersburg.
In St. Petersburg gelandet. Von Sprachschule abgeholt worden. Zur Gastfamilie gefahren worden. Geschafft. Über ein paar Umwege angekommen.

Zwei Wochen bei Gastfamilie. Mit Mutter Inna. Tochter Amelia. Vater Sergej. Sehr herzliche Familie. Sie sprechen nur Russisch. Ich verstehe Russisch. So langsam. Irgendwie doch viele Gemeinsamkeiten mit dem Bosnisch. Zum Glück. Zum Frühstück russische Spezialitäten. Jeden Morgen. Sehr lecker. Mimosa Salat zum Beispiel. Isst man nicht zum Frühstück. Eigentlich. In meiner Gastfamilie aber schon. Viele geredet mit Mutter Inna. Über alles mögliche. Sie redete mehr als ich. Ich hörte mehr zu. Verstand das meiste. Das Zuhause bescheiden. Bodenständig. Trotzdem ein heimeliges Gefühl. Fühlte mich wohl. Trotz ausserhalb des Zentrums. Vermisse die Familie jetzt schon. Jetzt in einem Hostel im Zentrum.

Haus der russischen Gastfamilie. Einfach.

Mein Zimmer bei der Gastfamilie.

Mimosa Salat zum Frühstück.

Zwei Wochen Sprachschule. Erster Tag nach 20min vorbei. Ich konnte nicht Kyrillisch schreiben und lesen. Lehrerin wusste nichts davon. Erster Tag gleich Schulfrei. Juhu. Die restliche Woche Einzelunterricht. Da keine weiteren Kyrillisch-Analphabeten. Nur ich. Auch gut. Komisch das kyrillische Alphabet. B ist ein V. Kleines R ist ein G. Kleines N ist ein R. Komisches A ist ein D. Verkehrtes N ist ein i. Y ist ein U. Und so weiter. Sehr intensive erste Woche. Vier Stunden Einzelunterricht. Vormittags bis nachmittags. Danach Sightseeing. Zweite Woche. Resozialisierung im Gruppenunterricht. Sechs Stunden pro Tag. Ein Amerikaner. Ein Franzose. Und ein Mexikaner. Das ist kein Witz. Sondern meine Klassenkameraden. Alle deutlich jünger als. Das war früher mal anders.

In der Sprachschule.

Seit Montag ist Selbstdisziplin angesagt. Alleine lernen. Keine Schule mehr. Spontan entschieden. Die Aussprache ist kein Problem. Die Grammatikregeln vom Bosnischen her bekannt. Die Endungen sind einfach anders. Mit Lesen hapert es noch. Von der Lehrerin ein paar Bücher geschenkt bekommen. Zur Eigenmotivation den russischen Playboy gekauft. Im Playboy hat es coole Artikel. Ist wirklich so. Und klar. Ein paar visuelle Highlights gibt es auch.

Piter. Der Spitzname von St. Petersburg. So die Einheimischen. Das Stadtbild erinnert irgendwie an Paris. Die schönen Cafés. Die Brasserien. Die Strassenlaternen. Brauchte jedoch ein paar Tage um anzukommen. Im Vergleich zu Zürich einfach alles viel grösser. Liegt wahrscheinlich an der Grösse Zürichs. Da ist alles viel kleiner. Kompakter. Es war nicht die Liebe auf den ersten Blick. Anfangs spürte ich keinen Charme von Piter. War in Berlin anders. Oder in Minsk. Auch wenn Sowjet-Charme. Schöne Museen und Kirchen machen halt noch keinen Charme aus. Mittlerweile gefällt mir Piter. Fühle mich wohl. Kenne ein paar Ecken. Die Rubinsteinstrasse zum Beispiel. Angesagte Gegend. Viele gute Restaurants. Bars. Und Cafés. Gut gekleidete Menschen. Generell in Piter. Und nett sind sie. Die meisten auf jeden Fall. Und sie lachen. Wenn es etwas zum Lachen gibt. Kein Höflichkeitslächeln. Wie bei uns in der Schweiz. Ich mag sie. Die Pitersburger. Velofahrer gibt es in Piter keine. Zumindest nicht im Zentrum. Die Velos hängen dafür als Wohnaccessoires an den Wänden.

Nevsky Prospect. Mitten im Zentrum. Strasse war aufgrund eines Feiertages für einen halben Tag frei für die Fussgänger.

Im Zentrum. Viele Kanäle prägen das Stadtbild.

Velo als leuchtendes Wohnaccessoire.

Sprachschule. Sightseeing. Daneben versuche ich mich in Bachata. Lateinamerikanischer Tanz. War ein Geschenk meiner Freundin. Vier Einzellektionen Bachata gehabt. Attraktive Lehrerin. Meinte ich hätte Talent. Hatte Videoaufnahmen in den ersten zwei Lektionen gemacht. Zur Selbstanalysezwecken. Da ist kein Talent drauf zu sehen. Auch kein Hüftschwung. Dafür ich. Filigran wie ein Stück Holz. Bewegte mich von links nach rechts. Von vorne nach hinten. Und wieder zurück. Die Basisschritte sitzen aber. Die Drehungen auch. Das nächste Mal kommt der Hüftschwung hinzu. Vielleicht doch etwas Talent da.

Zeit für einen Bachata.

Als Nächstes.
Ich als Touristenguide in Piter. Inklusive Bachata-Hüftschwung. Für meine Freundin. Danach Moskau erkunden. Und Transsibirische Eisenbahn.

 

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